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Archive for 23. Januar 2010

Attraktivität – Attraktivitätsforschung – Haare – Haarfarbe – Psychologie – Haarpsychologie – Haarfarbenpsychologie – blond, braun, schwarz, rot – Experiment – psychologische Forschung

Haarfarbe und Attraktivität
Eine experimentelle Untersuchung
© PD Dr. Ronald Henss


Vorbemerkung: Zum Thema „Psychologische Aspekte der Haarfarbe“ wurden an der Fachrichtung Psychologie der Universität des Saarlandes zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. In verschiedenen Beiträgen werden jeweils Methoden und wichtige Befunde berichtet. Der theoretische Hintergrund wird in einem gesonderten Beitrag dargestellt (in Vorbereitung).

Methoden und Ergebnisse einer experimentellen Untersuchung zur Attraktivität von Haarfarben bei Männern und Frauen.


Kurzcharakteristik

In der Untersuchung, die über das Internet durchgeführt wurde, beurteilten Versuchspersonen die Attraktivität von Männern und Frauen. Die zu beurteilenden Fotos waren so ausgewählt, dass jeweils die Haarfarben blond, braun, schwarz und rot repräsentiert waren. Eine Besonderheit der Untersuchung besteht darin, dass ein Teil der Versuchspersonen „normale“ Portraitfotos beurteilte, auf denen Gesicht und Haar zu sehen war, während der andere Teil Fotos beurteilte, bei denen das Haar wegretuschiert war.


Methoden

Das Ausgangsmaterial bestand aus 48 Männer- und 48 Frauenfotos. Jeweils 12 Männer und 12 Frauen hatten blondes, braunes, schwarzes bzw. rotes Haar. Zu jedem Foto wurde eine Kopie erstellt, bei der das Haar wegretuschiert wurde.
Die Fotos wurden in 3 Sets aufgeteilt, die jeweils 4 blonde Männer, 4 braunhaarige Männer, 4 schwarzhaarige Männer, 4 rothaarige Männer, 4 blonde Frauen, 4 braunhaarige Frauen, 4 schwarzhaarige Frauen und 4 rothaarige Frauen umfassten.
Jede Versuchsperson beurteilte ein Set. Die Auswahl des Sets erfolgte durch einen Zufallsgenerator. Darüber hinaus wurde per Zufallsgenerator bestimmt, ob die Version mit sichtbaren oder nicht-sichtbaren Haaren dargeboten wurde und ob zuerst Männer- und dann Frauenfotos zu beurteilen waren oder umgekehrt.

Die Beurteilungen erfolgten auf einer 9-stufigen Ratingskala von 1= sehr unattraktiv bis 9 = sehr attraktiv.

Die Versuchspersonenstichprobe umfasste insgesamt 1274 Teilnehmer (31% Männer und 69% Frauen). Das Experiment wurde in einer deutschsprachigen und in einer englischsprachigen Version durchgeführt (35% vs. 65%).


Ergebnisse

Insgesamt zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Haarfarben und wie erwartet fallen die Effekte der Haarfarbe bei Männern anders aus als bei Frauen.

Männer
Braun: 5,59 [5,51 – 5,67]
Schwarz: 5,35 [5,27 – 5,43]
Blond: 5,25 [5,17 – 5,33]
Rot: 4,32 [4,21 – 4,40]

Frauen
Blond: 5,76 [5,68 – 5,84]
Braun: 5,54 [5,46 – 5,62]
Schwarz: 4,97 [4,88 – 5,05]
Rot: 4,89 [4,81 – 4,96]

(arithmetisches Mittel; in Klammern: 95%-Konfidenzintervall des Mittelwerts)

Besonders aufschlussreich ist der Vergleich „Haar sichtbar“ vs. „Haar nicht sichtbar“.

Bei den braunhaarigen Männern machte es kaum einen Unterschied, ob die Haare sichtbar waren oder nicht (5,59 vs. 5,52).
Schwarzhaarige Männer waren attraktiver (5,44) wenn die Haare nicht sichtbar waren als bei sichtbarem Haar (5,20). Eine Interpretation, die noch weiterer Untersuchungen bedarf: Schwarzes Haar scheint bei Männern eher negativ zu sein, obgleich der dunklere Teint attraktiv macht.
Blonde Männer wurden bei sichtbarem Haar positiver beurteilt als bei nicht sichtbarem Haar (5,33 vs. 5.07). Spekulation: Es sind weniger die blonden Haare als der helle Teint, der blonde Männer weniger attraktiv macht.
Rothaarige Männer waren deutliche attraktiver, wenn die Haare nicht zu sehen waren (4,62 vs. 4,09). Interpretation und Spekulation: Rotes Haar ist bei Männern per se sehr unattraktiv, aber auch der helle Teint macht rothaarige Männer unattraktiv.

Blonde Frauen waren bei sichtbarem Haar deutlich attraktiver als bei nicht sichtbarem Haar (5,89 vs. 5,62).
Braunhaarige Frauen waren bei sichtbarem Haar deutlich attraktiver als bei nicht sichtbarem Haar (5,74 vs. 5,41).
Schwarzhaarige Frauen waren bei sichtbarem Haar weniger attraktiv als bei nicht sichtbarem Haar (4,89 vs. 5,18).
Rothaarige Frauen waren bei sichtbarem Haar weniger attraktiv als bei nicht sichtbarem Haar (4,84 vs. 5,04).

Es sei angemerkt, dass die englischsprachigen Versuchsteilnehmer positivere Beurteilungen abgaben als die deutschsprachigen und dass die männlichen Urteiler positivere Bewertungen abgaben als die weiblichen. Die geschilderten Effekte der Haarfarben und der Sichtbarkeit von Haaren wurden aber weder durch die Sprachversion noch durch das Geschlecht der Urteiler beeinflusst.
Wichtig ist aber Folgendes: Die dargestellten Effekte der Haarfarbe und der Sichtbarkeit des Haares beruhen jeweils auf der Gesamtstichprobe aller betreffenden Fotos. Bei Aufschlüsselung nach den einzelnen Bildersets ergeben sich zum Teil abweichende Befunde. Dies macht deutlich: Effekte der Haarfarbe hängen – wie nicht anders zu erwarten – auch wesentlich von der konkreten Gesichterstichprobe ab. Dieses zentrale Ergebnis der Gesichterforschung (vgl. Henss, 1998) wird leider allzu oft ignoriert.

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Die Untersuchung wurde 1999/2000 im Rahmen eines Experimentalpsychologischen Praktikums durchgeführt.

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Attraktivität – Schönheit – Prominente – Promis

Attraktivität von Prominenten – Ein paar Kuriositäten

Die Frage „Wer ist der / die Schönste im ganzen Land?“ erweckt immer wieder großes Interesse. Beim Rumstöbern in alten Texten bin ich auf eine Zusammenstellung von Umfragen gestoßen, die von verschiedenen Zeitschriften Mitte der 90er-Jahre durchgeführt werden. Dort geht es um die Attraktivität von Prominenten. Hier findet sich eine kurze Zusammenfassung. Als Ergänzung hier nun ein paar mehr oder weniger kuriose Hitparaden für thematisch abgegrenzte Stimuluspersonengruppen.

So kamen zum Beispiel laut der Zeitschrift Gala (Nr. 20, 11. Mai 1995) mehr als 7000 Premiere-Zuschauerinnen und Gala-Leserinnen bei der Abstimmung über den attraktivsten Fußballer zur folgenden Rangreihe: Alain Sutter (12,62%), Lothar Matthäus (10,38%), Mehmet Scholl (8,99%), Hany Ramzy (8,39%), Lars Ricken (6,87%), Ciriaco Sforza (6,21%). Das Emnid-Institut fragte im Auftrag von Playboy (August 1995) „Wer ist die erotischste Sportlerin?“. Die Spitzenplätze belegten: Gabriela Sabatini (Tennisspielerin; 24%), Katarina Witt (Eiskunstläuferin; 14%), Franziska van Almsick (13%), Steffi Graf (11%), Katrin Krabbe (Leichtathletin, 7%), Heike Henkel (Leichtathletin, 4%). Das Wickert-Institut fragte „Wer sind die erotischsten PolitikerInnen?“ (Playboy, Februar 1995). Bei den Frauen führten: Renate Schmidt (18%), Monika Griefahn (16%), Rita Süssmuth (12%), Heidi Wieczorek-Zeul (12%), Monika Kohlmeier (12%). Bei den Männern lag Richard von Weizsäcker (43%) mit weitem Abstand vor Oskar Lafontaine (12%), Rudolf Scharping (12%), Gerhard Schröder (10%) und Joschka Fischer (9%). In einer Wickert-Umfrage „Welche mollige Frau finden Sie am attraktivsten?“ (Playboy, November 1994) belegte die Schauspielerin Marie-Luise Marjan („Mutter Beimer“ in der Fernsehserie „Lindenstraße“) mit 23% Platz 1, gefolgt von der Entertainerin Hella von Sinnen mit 16%. Deutlich dahinter rangiert unter anderem Anna Nicole Smith (Fotomodell) mit 9% auf Platz 6. Dieselbe Anna Nicole Smith belegte jedoch in der Männer Vogue vom Mai 1995 den Spitzenplatz vor den Schauspielerinnen bzw. Models Sharon Stone, Claudia Schiffer, Cindy Crawford, Demi Moore, Nadja Auermann, Naomi Campbell, Kim Basinger, Michelle Pfeiffer und Tatjana Patitz. Dies wurde von der Münchener Gesellschaft für Rationale Psychologie ermittelt, die 3767 Männern zwischen 16 und 55 Jahren das Item „Für eine Nacht mit meiner Traumfrau …. würde ich mitbieten bis … DM“ vorlegte. Anna Nicole Smith besitzt also den allerhöchsten Marktwert und verweist die angeblich schönsten Schauspielerinnen und Topmodels der Welt auf die Plätze; zugleich wird sie ausgerechnet von Marie-Luise Marjan und Hella von Sinnen weit überflügelt. Die Plausibilität dieses und manch anderen Befundes und die Seriosität der zugrundeliegenden Untersuchungen brauchen hier nicht diskutiert zu werden.

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