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Archive for the ‘Psychologie’ Category

Color me beautiful – Hautbeschaffenheit und Persönlichkeitseindruck
Methoden und Ergebnisse einer Diplomarbeit von Denise Mönch an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken, 2003
Zusammenfassung   © PD Dr. Ronald Henss

 

Das Folgende ist eine Zusammenfassung der Methoden und einiger wichtiger Ergebnisse der Diplomarbeit von Denise Mönch, die unter meiner Anleitung an der Universität des Saarlandes durchgeführt wurde. Die Studie konzentriert sich auf die Wirkung der Hautbeschaffenheit auf den Betrachter. Sie kann auch als Simulation der Anwendung von Kosmetik und der Eindruckswirkung des Schminkens interpretiert werden.

Ausgangspunkt war eine Datenbank mit Portraitfotos, die am Psychologischen Institut der Universität des Saarlandes angelegt wurde. Das Stimulusmaterial (Fußnote 1) bestand aus Fotos von Studentinnen, die mit Hilfe des Programms „Face Toolkit“ (Knabe, 2002) manipuliert wurden, um unterschiedliche Varianten des Schminkens zu simulieren.

Zunächst wurde aus den Fotos von 60 Studentinnen ein sogenanntes „Durchschnittsgesicht“ – besser: Komposit-Gesicht – erzeugt. (Fußnote 2) Dieses ist in Abbildung 1 mit „KS“ bezeichnet. Außerdem wurde ein Komposit-Gesicht von 5 Top-Models konstruiert („KM“).

Im aktuellen Kontext ist ein spezieller Aspekt des Kompositbildes von Interesse. Bereits ein flüchtiger Blick auf die Abbildung 1 macht deutlich, dass die Gesichtshaut bei den Komposits viel homogener erscheint als beim Original. Die Durchschnittsbildung hat zur Folge, dass Hautunreinheiten, Unregelmäßigkeiten, Unebenheiten und Falten verschwinden und die Textur ausgewogen und regelmäßig erscheint. In einem gewissen Sinne lässt sich diese Homogenisierung als eine erfolgreiche Anwendung von Foundation interpretieren.



Abbildung 1: Stimulusmaterial aus Mönch (2003)
In der Untersuchung wurden die Bilder ohne die schwarzen Balken präsentiert

Den Homogenisierungseffekt nutzte Mönch, um die Anwendung von Kosmetik zu simulieren. Das „Face Tookit“ bietet mit einem speziellen „Warping“-Modul die Möglichkeit, die Farbinformationen zweier Bilder in beliebigen Proportionen zu mischen, und zwar so, dass die geometrische Gesichtsstruktur nicht verändert wird. Mit Hilfe dieses Moduls wurde jeweils das Originalfoto in Richtung auf ein „Ankerbild“ verändert. Als Anker diente entweder das Komposit der Studentinnen (KS) oder das Komposit der Models (KM). Die Farbmischung erfolgte in zwei Stufen. In Stufe 1 lag das Mischungsverhältnis bei 2/3 Original zu 1/3 Komposit. In Stufe 2 bei 1/3 zu 2/3. (Fußnote 3) Die resultierenden „Schmink-Varianten“ sind in Abbildung 1 1 dargestellt. Die beiden Stufen lassen sich als schwache und starke Homogenisierung des Hautbildes oder als schwach und stark geschminkt interpretieren.

Abbildung 1 macht deutlich, dass das Model-Komposit intensivere Farbtöne aufweist als das Studentinnen-Komposit. Dies gilt sowohl für die Gesichtshaut als auch für die Lippen und die Augen. Dieser Unterschied kann ebenfalls als „stark bzw. schwach geschminkt“ interpretiert werden.

Für ihre Untersuchung zur Eindruckswirkung des „Schminkens“ benutzte Mönch die Fotos von 10 Studentinnen. Da zu jedem Originalbild die Varianten S1, M1, S2 und M2 erzeugt wurden, bestand das Stimulusmaterial aus 50 Bildern.

Die Untersuchung wurde über das Internet durchgeführt. Sie umfasste zwei Experimente, die sich im methodischen Ansatz wesentlich voneinander unterscheiden. Das erste Experiment war als Einzelreizbeurteilung konzipiert. Hierbei hat jede Versuchsperson nur ein einziges Gesicht zu beurteilen. Sie hat also keinerlei Vergleichsmöglichkeiten. Das zweite Experiment war eine Reizserienbeurteilung. Hier wurden die fünf Varianten ein und derselben Stimulusperson jeweils simultan präsentiert und die Versuchspersonen hatten die Aufgabe, die Bilder nach einem vorgegebenen Kriterium in eine Rangreihe zu bringen.

Am Einzelreizversuch nahmen 1072 Versuchspersonen teil. Das jeweils per Zufall ausgewählte Gesicht sollte nach 70 Merkmalen beurteilt werden (z.B. attraktiv, gesellig, nervös, wünscht sich viele Kinder, geht manchmal fremd). Die Beurteilungen erfolgten auf einer 5-stufigen Ratingskala (trifft gar nicht zu, trifft eher nicht zu, weder noch, trifft eher zu, trifft völlig zu). Durch die 70 Merkmale sollte der Persönlichkeitsbereich möglichst breit abgedeckt werden. Mit Hilfe einer Faktorenanalyse wurden 7 Faktoren des Persönlichkeitseindrucks ermittelt und wie folgt interpretiert: Attraktivität (attraktiv, gutaussehend, sexuell anziehend), Gute Mutter (gutmütig, gute Mutter, kinderlieb), Erfolg im Beruf (karriereorientiert, Erfolg im Beruf, selbstbewusst), Schweigsamkeit (schweigsam, verschlossen, zurückgezogen), Kreativität (phantasievoll, kreativ, einfallsreich), Lüsternheit (lüstern, sexuell untreu, leichtsinnig), Bürgerlichkeit (bürgerlich, einfältig, unauffällig). Anschließend wurden die Effekte der Bildmanipulation auf die 7 Persönlichkeitsfaktoren analysiert. Erwartungsgemäß zeigte sich ein deutlicher Einfluss auf die Attraktivität. Bei den meisten Stimuluspersonen ergab sich ein kontinuierlicher Anstieg vom Original über S1, M1, S2 zu M2. Das heißt, dass eine stärkere Homogenisierung attraktiver machte und dass die farbintensivere Model-Variante der schlichteren Studentinnen-Variante überlegen war. Ein weiterer, aber erheblich schwächerer Effekt ergab sich bezüglich Kreativität. Überraschenderweise wurden die „stark geschminkten“ Varianten (S2, M2) für weniger kreativ gehalten als das Original. Auf den anderen fünf Faktoren war kein Effekt der Bildmanipulation zu registrieren.

Ein anderes Ergebnis zeigte sich im zweiten Experiment, das in Form einer Reizserienbeurteilung durchgeführt wurde. Hierbei wurden jeweils die 5 Bildvarianten einer Stimulusperson simultan dargeboten und die Versuchperson sollte die Bilder nach einem bestimmten Kriterium in eine Rangreihe bringen. Über verschiedene Versuchspersonenstichproben hinweg wurden folgende Kriterien berücksichtigt: Attraktivität, Gute Mutter, Erfolg im Beruf, Schweigsamkeit, Kreativität (die Zahl der Beurteiler pro Kriterium lag zwischen 33 und 43). Als Stimuluspersonen wurden 6 der 10 Frauen aus dem ersten Experiment berücksichtigt. Die Analyse der Rangreihen erbrachte ein außergewöhnlich klares Muster. Bei fast allen Kriterien und fast allen Stimuluspersonen ergab sich die Rangreihe Original <* S1 <* M1 <* S2 <* M2. (Fußnote 4) Der gemeinsame Nenner lässt sich wie folgt auf den Punkt bringen: (1) Je homogener die Oberflächenbeschaffenheit desto besser, (2) die auffälligere Farbtönung der Models wirkte positiver als die schlichtere Färbung der Studentinnen. Dieses Grundmuster war besonders deutlich bei Attraktivität, Erfolg im Beruf und Gute Mutter. Insbesondere ist hervorzuheben, dass „Schminken“ auch eine positive Beurteilung der mütterlichen Qualitäten bewirkte. Außerdem ist hervorzuheben, dass – im Gegensatz zur Einzelreizbeurteilung – die stärker „geschminkten“ Varianten nun für kreativer gehalten wurden. Plakativ ausgedrückt führte die Reizserienbeurteilung zu der Aussage „Wer geschminkt ist, ist auch gut“. Ein ähnliches Schlagwort spielt in der Attraktivitätsforschung als „Attraktivitätsstereotyp“ eine herausragende Rolle: „Wer schön ist, ist auch gut“ (Dion, Berscheid und Walster, 1972; Henss, 1992, 1998).

Die beiden methodischen Ansätze – Einzelreizbeurteilung und Reizserienbeurteilung – lieferten ein partiell unterschiedliches Bild. Dass die Befunde entscheidend von der Untersuchungsmethode abhängen können, ist aus der Gesichterforschung wohlbekannt (Henss, 1998). Gleichwohl wurde dieser wichtige Aspekt in der bisherigen Forschung zur Eindruckswirkung des Schminkens kaum berücksichtigt.

Insgesamt macht die Arbeit deutlich, dass die Hautbeschaffenheit einen bedeutsamen Einfluss auf die Eindruckswirkung von Gesichtern haben kann. Dies ist nicht zuletzt deshalb von großem Interesse, weil die Hautbeschaffenheit im Rahmen der Attraktivitätsforschung über lange Zeit hinweg eher vernachlässigt wurde. Dort standen bislang eher
gemometrisch-morphologische Strukturmerkmale im Fordergrund (Durchschnittlichkeit, Symmetrie, Proportionen, Längenmaße, Winkel …).


Fußnoten

  1. Als Stimulus (Plural: Stimuli) werden in der psychologischen Fachterminologie ganz allgemein die Reize bezeichnet, auf die die Versuchspersonen reagieren sollen. Die zu beurteilenden Personen werden dementsprechend als „Stimuluspersonen“ bezeichnet.
  2. Ein Komposit-Gesicht repräsentiert den mathematischen Durchschnitt über die zugrunde liegenden Gesichter. Die Konstruktion auf fotomechanischem Wege geht im Wesentlichen auf Galton (1878) zurück. Seit es möglich ist, Komposits mit Hilfe von Computerprogrammen zu konstruieren, wurden diese in der Attraktivitätsforschung intensiv untersucht. Das Durchschnittsgesicht ist in aller Regel attraktiver als die meisten Einzelgesichter. Es stellt jedoch keineswegs das „Maximum“ an Attraktivität dar und die Attraktivität des Komposits hängt ganz entscheidend von den Ausgangsgesichtern ab – wie der Vergleich von KS und KM eindrucksvoll demonstriert.
  3. Die genannten Proportionen gelten strenggenommen nur für die konkrete Stimulusperson, die hier stellvertretend abgebildet ist. Für jede Stimulusperson wurde im Rahmen eines Vorversuchs ein „optimales Mischungsverhältnis“ bestimmt.
  4. (Die Notation X <* Y soll lediglich symbolisieren, dass Y einen höheren Wert aufweist als X. Die Differenz muss jedoch nicht signifikant sein. Lediglich bei "Selbstbewusstsein" fiel der Effekt der Bildmanipulation etwas schwächer aus.

Literatur

  • Dion, K. K., Berscheid, E. & Walster, E. (1972). What is beautiful is good? Journal of Personality and Social Psychology, 24, 285-290.
  • Galton, F. (1878). Composite portraits. Journal of the Anthropological Institute of Great Britain & Ireland, 8, 132-142.
  • Henss, R. (1992). „Spieglein, Spieglein an der Wand…“ Geschlecht, Alter und physische Attraktivität. Weinheim: Psychologie Verlags Union.
  • Henss, R. (1998). Gesicht und Persönlichkeitseindruck. Göttingen: Hogrefe.
  • Knabe, T. (2002). Face Toolkit. Unveröffentlichte Forschungspraktikums-Arbeit an der Fachrichtung Informatik der Universität des Saarlandes, Saarbrücken.
  • Mönch, D. (2003). Color me beautiful. Hautbeschaffenheit und Persönlichkeitseindruck. Unveröffentlichte Diplomarbeit. Fachrichtung Psychologie. Universität des Saarlandes, Saarbrücken.
Alle Rechte beim Autor. Nachdruck und Vervielfältigung – auch auszugsweise – nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors.

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Attraktivität – Attraktivitätsforschung – Haare – Haarfarbe – Psychologie – Haarpsychologie – Haarfarbenpsychologie – blond, braun, schwarz, rot – Experiment – psychologische Forschung

Haarfarbe und Attraktivität
Eine experimentelle Untersuchung
© PD Dr. Ronald Henss


Vorbemerkung: Zum Thema „Psychologische Aspekte der Haarfarbe“ wurden an der Fachrichtung Psychologie der Universität des Saarlandes zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. In verschiedenen Beiträgen werden jeweils Methoden und wichtige Befunde berichtet. Der theoretische Hintergrund wird in einem gesonderten Beitrag dargestellt (in Vorbereitung).

Methoden und Ergebnisse einer experimentellen Untersuchung zur Attraktivität von Haarfarben bei Männern und Frauen.


Kurzcharakteristik

In der Untersuchung, die über das Internet durchgeführt wurde, beurteilten Versuchspersonen die Attraktivität von Männern und Frauen. Die zu beurteilenden Fotos waren so ausgewählt, dass jeweils die Haarfarben blond, braun, schwarz und rot repräsentiert waren. Eine Besonderheit der Untersuchung besteht darin, dass ein Teil der Versuchspersonen „normale“ Portraitfotos beurteilte, auf denen Gesicht und Haar zu sehen war, während der andere Teil Fotos beurteilte, bei denen das Haar wegretuschiert war.


Methoden

Das Ausgangsmaterial bestand aus 48 Männer- und 48 Frauenfotos. Jeweils 12 Männer und 12 Frauen hatten blondes, braunes, schwarzes bzw. rotes Haar. Zu jedem Foto wurde eine Kopie erstellt, bei der das Haar wegretuschiert wurde.
Die Fotos wurden in 3 Sets aufgeteilt, die jeweils 4 blonde Männer, 4 braunhaarige Männer, 4 schwarzhaarige Männer, 4 rothaarige Männer, 4 blonde Frauen, 4 braunhaarige Frauen, 4 schwarzhaarige Frauen und 4 rothaarige Frauen umfassten.
Jede Versuchsperson beurteilte ein Set. Die Auswahl des Sets erfolgte durch einen Zufallsgenerator. Darüber hinaus wurde per Zufallsgenerator bestimmt, ob die Version mit sichtbaren oder nicht-sichtbaren Haaren dargeboten wurde und ob zuerst Männer- und dann Frauenfotos zu beurteilen waren oder umgekehrt.

Die Beurteilungen erfolgten auf einer 9-stufigen Ratingskala von 1= sehr unattraktiv bis 9 = sehr attraktiv.

Die Versuchspersonenstichprobe umfasste insgesamt 1274 Teilnehmer (31% Männer und 69% Frauen). Das Experiment wurde in einer deutschsprachigen und in einer englischsprachigen Version durchgeführt (35% vs. 65%).


Ergebnisse

Insgesamt zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Haarfarben und wie erwartet fallen die Effekte der Haarfarbe bei Männern anders aus als bei Frauen.

Männer
Braun: 5,59 [5,51 – 5,67]
Schwarz: 5,35 [5,27 – 5,43]
Blond: 5,25 [5,17 – 5,33]
Rot: 4,32 [4,21 – 4,40]

Frauen
Blond: 5,76 [5,68 – 5,84]
Braun: 5,54 [5,46 – 5,62]
Schwarz: 4,97 [4,88 – 5,05]
Rot: 4,89 [4,81 – 4,96]

(arithmetisches Mittel; in Klammern: 95%-Konfidenzintervall des Mittelwerts)

Besonders aufschlussreich ist der Vergleich „Haar sichtbar“ vs. „Haar nicht sichtbar“.

Bei den braunhaarigen Männern machte es kaum einen Unterschied, ob die Haare sichtbar waren oder nicht (5,59 vs. 5,52).
Schwarzhaarige Männer waren attraktiver (5,44) wenn die Haare nicht sichtbar waren als bei sichtbarem Haar (5,20). Eine Interpretation, die noch weiterer Untersuchungen bedarf: Schwarzes Haar scheint bei Männern eher negativ zu sein, obgleich der dunklere Teint attraktiv macht.
Blonde Männer wurden bei sichtbarem Haar positiver beurteilt als bei nicht sichtbarem Haar (5,33 vs. 5.07). Spekulation: Es sind weniger die blonden Haare als der helle Teint, der blonde Männer weniger attraktiv macht.
Rothaarige Männer waren deutliche attraktiver, wenn die Haare nicht zu sehen waren (4,62 vs. 4,09). Interpretation und Spekulation: Rotes Haar ist bei Männern per se sehr unattraktiv, aber auch der helle Teint macht rothaarige Männer unattraktiv.

Blonde Frauen waren bei sichtbarem Haar deutlich attraktiver als bei nicht sichtbarem Haar (5,89 vs. 5,62).
Braunhaarige Frauen waren bei sichtbarem Haar deutlich attraktiver als bei nicht sichtbarem Haar (5,74 vs. 5,41).
Schwarzhaarige Frauen waren bei sichtbarem Haar weniger attraktiv als bei nicht sichtbarem Haar (4,89 vs. 5,18).
Rothaarige Frauen waren bei sichtbarem Haar weniger attraktiv als bei nicht sichtbarem Haar (4,84 vs. 5,04).

Es sei angemerkt, dass die englischsprachigen Versuchsteilnehmer positivere Beurteilungen abgaben als die deutschsprachigen und dass die männlichen Urteiler positivere Bewertungen abgaben als die weiblichen. Die geschilderten Effekte der Haarfarben und der Sichtbarkeit von Haaren wurden aber weder durch die Sprachversion noch durch das Geschlecht der Urteiler beeinflusst.
Wichtig ist aber Folgendes: Die dargestellten Effekte der Haarfarbe und der Sichtbarkeit des Haares beruhen jeweils auf der Gesamtstichprobe aller betreffenden Fotos. Bei Aufschlüsselung nach den einzelnen Bildersets ergeben sich zum Teil abweichende Befunde. Dies macht deutlich: Effekte der Haarfarbe hängen – wie nicht anders zu erwarten – auch wesentlich von der konkreten Gesichterstichprobe ab. Dieses zentrale Ergebnis der Gesichterforschung (vgl. Henss, 1998) wird leider allzu oft ignoriert.

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Die Untersuchung wurde 1999/2000 im Rahmen eines Experimentalpsychologischen Praktikums durchgeführt.

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Attraktivität und Sympathiewerte von Prominenten
© PD Dr. Ronald Henss



In Folgenden finden sich Ergebnisse aus einer (unveröffentlichten) Studie zur Attraktivität und Sympathie von Prominenten. Die Untersuchung wurde 1995 am Psychologischen Institut der Universität des Saarlandes durchgeführt. Sie liegt also schon länger zurück. Die meisten Prominenten von damals sind auch heute noch bekannt, manche sind heute mehr oder weniger vergessen und einige in der Zwischenzeit verstorben, einige waren damals bereits tot.

Versuchspersonen waren 115 Männer und 131 Frauen (Alter: 17-66 Jahre; Median: 24 Jahre). Den Teilnehmern wurde eine Liste mit 34 prominenten Männern und 30 prominenten Frauen vorgelegt. Die Aufgabe bestand darin, jede Person hinsichtlich ihrer Attraktivität und der Sympathie zu beurteilen. Die Beurteilungen erfolgten auf einer Skala von 0 bis 5. (Es ist anzumerken, dass die Beurteilen nicht durch ein Bild, sondern ausschließlich durch ihren Namen repräsentiert waren.)


1. Rangreihe der Attraktivitäts- und Sympathiewerte

Nach Mittelung über alle Versuchspersonen ergaben sich die folgenden Rangordnungen (es werden jeweils nur ausschnittsweise die ersten und die letzten sieben aufgelistet; angegeben ist der Mittelwert):


Attraktivität von Männern

Kevin Costner: 3.71
Robert Redford: 3.68
Sean Connery: 3.59
Heiner Lauterbach: 3.15
Ulrich Wickert: 3.06
Götz George: 3.02
Richard von Weizsäcker: 2.88


Roman Herzog: 1.18
Klaus Kinski: 1.16
Boris Jelzin: 1.09
Otto: 1.02
Berti Vogts: 0.83
Prinz Charles: 0.80
Helmut Kohl: 0.70
Karl Dall: 0.37



Attraktivität von Frauen

Catherine Deneuve: 4.03
Romy Schneider: 3.97
Kim Basinger: 3.93
Julia Roberts: 3.92
Marilyn Monroe: 3.85
Jodie Foster: 3.72
Claudia Schiffer: 3.68


Carolin Reiber: 1.97
Rita Süssmuth: 1.46
Martina Navratilova: 1.34
Regine Hildebrandt: 1.15
Alice Schwarzer: 0.82
Hella von Sinnen: 0.68
Helga Feddersen: 0.58



Sympathiewerte von Männern

Richard von Weizsäcker: 4.04
Ulrich Wickert: 3.77
Guenther Jauch: 3.49
Sean Connery: 3.46
Hans-Dietrich Genscher: 3.34
Robert Redford: 3.32
Kevin Costner: 3.26


Helmut Kohl: 1.75
Lothar Matthäus: 1.73
Karl Dall: 1.72
Prinz Charles: 1.70
Klaus Kinkel: 1.65
Berti Vogts: 1.52
Klaus Kinski: 1.45



Sympathiewerte von Frauen

Romy Schneider: 3.58
Jodie Foster: 3.50
Catherine Deneuve: 3.32
Sabine Christiansen: 3.24
Dagmar Berghoff: 3.09
Julia Roberts: 3.05
Eva Herrman: 3.01


Martina Navratilova: 2.39
Claudia Schiffer: 2.13
Linda de Mol: 2.11
Alice Schwarzer: 2.06
Carolin Reiber: 1.78
Hella von Sinnen: 1.77
Madonna: 1.69


2. Urteilerübereinstimmung: Gruppenstandards von männlichen und weiblichen Urteilern

Haben Männer und Frauen – als Gruppe betrachtet – ähnliche Attraktivitäts- und Sympathiestandards?
Zur Beantwortung dieser Frage(n) wurden zunächst die Mittelwerte über alle männlichen und die Mittelwerte über alle weiblichen Urteiler berechnet. Die Korrelation zischen den Gruppenstandards ergab:

Attraktivität männlicher Prominenter: 0,98
Attraktivität weiblicher Prominenter: 0,97
Sympathie männlicher Prominenter: 0,96
Sympathie weiblicher Prominenter: 0.67

Männliche und weibliche Urteiler stimmen demnach – als Gruppe betrachtet – nahezu perfekt in ihren Attraktivitätsurteilen überein. Gleiches gilt für Sympathie gegenüber männlichen Prominenten. Bei der Sympathie gegen über weiblichen Prominenten findet sich zwar immer noch eine klare Übereinstimmung, diese ist aber nicht mehr perfekt. Die Ursache dafür im folgenden Abschnitt unmittelbar ersichtlich.


3. Attraktivitätsstereotyp: Wer schön ist, ist auch sympathisch (?)

In welchem Umfang trifft das allgemein bekannte Attraktivitätsstereotyp „Wer schön ist, ist auch gut?“ bei der Beurteilung von Prominenten zu? Zur Beantwortung dieser Frage wurden die Korrelationen zwischen den mittleren Attraktivitätsratings und den mittleren Sympathieratings berechnet. Dabei ergaben sich folgende Werte

Männer beurteilen Männer: 0,67
Männer beurteilen Frauen: 0,70
Frauen beurteilen Männer: 0,75
Frauen beurteilen Frauen: 0,44

Es zeigt sich also eine klare Tendenz, dass attraktivere Personen auch sympathischer sind. Bemerkenswert sind insbesondere die Beurteilungen von Frauen durch Frauen. Hier ist diese Tendenz zwar immer noch vorhanden, aber doch deutlich abgeschwächt. Das rührt im Wesentlichen daher, dass einige Frauen besonders attraktive prominente Frauen besonders unsympathisch finden bzw. dass sie einige unattraktive Geschlechtsgenossinnen besonders sympathisch finden.


3. Konkordanz: Interindividuelle Urteilerübereinstimmung

Die vorangegangenen Betrachtungen beruhen jeweils auf Gruppenstandards, also gemittelten Werten. Bei der Konkordanz geht es hingegen um die Frage, in welchem Umfange individuelle Urteiler (im Durchschnitt) übereinstimmen.
Hierzu ergaben sich folgende mittlere Inter-Rater-Korrelationen:

Männer beurteilen Männer: 0,41
Männer beurteilen Frauen: 0.46
Frauen beurteilen Männer: 0,45
Frauen beurteilen Frauen: 0,45

Diese Werte stimmen hervorragend mit den Befunden der Attraktivitätsforschung überein. Da es sich hier um die durchschnittliche Übereinstimmung zwischen individuellen Urteilern handelt, sprechen diese Konkordanzwerte für eine bemerkenswert hohe Übereinstimmung (ausführlich dazu Henss, 1992, 1998).


Weiterführende Literatur

Henss, R. (1992). „Spieglein, Spieglein an der Wand …“ Geschlecht, Alter und physische Attraktivität. München: Psychologie Verlags Union.
Henss, R. (1998). Gesicht und Persönlichkeitseindruck. Göttingen: Hogrefe.

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Ronald Henss: Social Perceptions of Male Pattern Baldness

Ronald Henss: Social Perceptions of Male Pattern Baldness

Social perceptions of male pattern baldness. A review (Exerpt)

PD Dr. Ronald Henss

In 1967 the British zoologist Desmond Morris published his best-selling book „The Naked Ape“. This title draws special attention to one of the most conspicuous features of human appearance: the relative hairlessness of our bodies. Strictly speaking, we are not really naked. Complete hairlessness is to be found in only a few areas like the lips, the palm of our hands, the soles of the feet, the nipples and some parts of the genitals. The impression of nakedness derives from the fact that on most parts of our bodies our hairs are so fine and short that they are hardly visible, at least from some distance. On the other hand, however, there are some special areas of dense hair that stand in stark contrast to the apparently hairless regions. In fact, it is the characteristic patchy distribution that grabs our attention; and the focus is on those regions that are densely covered with hair, particularly the facial hair in males and the scalp hair in both sexes. From a strictly biological-medical point of view, hair is not a necessary prerequisite to human survival. On the other hand, however, there can be no doubt that hair is extremely important with regard to our social and psychological experiences. Hair is much more than meets the eye; and evidence abounds that humans are and always have been obsessed with hair. Because hair is of utmost importance, so is its loss. The most common form of hair loss is male pattern baldness (androgenetic alopecia) which affects a large part of the male population. Although there can be no doubt that male pattern baldness is of great social and psychological significance, there exists little empirical study on its psychological impact. The present paper tries to review the extant literature with regard to a specific aspect, namely social perceptions of hair loss. This is indeed an important topic: after all, hair loss would be an inconsequential affair if our perceptions of others and ourselves would not be influenced by the amount of cranial hair in the first place. Before turning to our main topic, we briefly look at some socio-cultural aspects of hair in general and hair loss in particular.

The importance of hair, past and present.

Humans are preoccupied with hair – and the lack of it. Our preoccupation with hair gave rise to a multi-billion dollar industry. Moreover, millions of people earn their livings in an occupation devoted to hair care. A significant portion of our daily time budget is allocated to hair care and grooming. For some people, particularly women, this may accumulate to many months or even years. Although hair is certainly more important to females, it is also of great concern to males. For the „stronger sex“ the apprehension of hair loss is the focus of interest. In Caucasians, the most common form of hair loss, male pattern baldness, affects approximately one half of the adult male population. Thus, some degree of hair loss is considered normal in adult males. Recently, a large-scale survey ….

Henss, R. (2001). Social perceptions of male pattern baldness. A review.
Psychosomatics + Dermatology, 2, 63-71.

Alle Rechte beim Autor. Nachdruck und Vervielfältigung – auch auszugsweise – nur mit ausdrücklicher Genehmigung von Psychosomatics + Dermatology.

The complete article is available as an eBook
Ronald Henss: Social Perceptions of Male Pattern Baldness
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Social Perceptions of Male Pattern Baldness
A Review

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Psychologie und Alopezie

Auch 007 ging nicht oben ohne

PD Dr. Ronald Henss

Wie Glatzköpfigkeit auf den Betrachter wirkt, erläutert eine Studie an der Universität Saarbrücken

Unzählige Zeugnisse aus Literatur, Geschichte, Völkerkunde, Archäologie und anderen Wissenschaftszweigen belegen, dass das Haar zu allen Zeiten und in allen Kulturen eine herausragende Rolle gespielt hat. Bezeichnenderweise ist eines der ältesten Medikamente der Medizingeschichte ein Mittel gegen die Männerglatze. „Vor 4000 Jahren rieben sich die alten Ägypter eine Tinktur aus in Öl gebratenen und gemahlenen Hundepfoten und Eselshufen auf ihre kahlen Häupter. Ähnlich skurrile Methoden sind aus verschiedensten Zeitepochen und aus allen Teilen der Welt bekannt“, erklärt Priv.-Doz. Dr. phil. Ronald Henss vom Fachbereich Psychologie an der Universität Saarbrücken auf Anfrage von DERMAforum. Aus rein medizinischer Sicht sind Haare für den Menschen nicht lebensnotwendig. Die weit verbreitete Sorge der Männer um den Verlust des Haupthaares hat daher in allererster Linie psychologische Gründe. Am Anfang der psychologischen Wirkungskette steht sicherlich die Angst, dass ein kahles Haupt in den Augen unserer Mitmenschen ein negatives Image erzeugt.

Mit und ohne Toupet

An der Universität des Saarlandes wurde in mehreren Untersuchungen der Frage nachgegangen, wie eine Glatze auf den Betrachter wirkt. Für die jüngste Untersuchung wurden zwölf Männer, die natürliche Glatzenträger sind, unter standardisierten Bedingungen fotografiert, und zwar einmal mit Glatze und einmal mit einem von einem bekannten Haarspezialisten individuell angefertigten Toupet. Die Bilder wurden im Internet präsentiert und sollten dort von den Versuchspersonen im Hinblick auf 70 verschiedene vorgegebene Persönlichkeitsmerkmale beurteilt werden. Außerdem sollte das Alter und die Körpergröße geschätzt werden. Der entscheidende Punkt ist, dass jede Versuchsperson nur ein einziges Bild zu beurteilen hatte. Somit konnte sie keinen Verdacht schöpfen, dass es im Wesentlichen um die Eindruckswirkung der Glatze ging. An der Untersuchung nahmen mehr als 1200 Männer und Frauen aus aller Welt teil.

Alter und Attraktivität

Die Altersschätzungen zeigten das erwartete Ergebnis: Alle Männer wirkten mit Toupet deutlich jünger als ohne, und zwar im Mittel etwas mehr als vier Jahre. Die 70 Persönlichkeitsbeurteilungen wurden zu sieben Eindrucksfaktoren zusammengefasst: Guter Familienvater, Karriere / Intellekt, Attraktivität, Kreativität, Soziale Verschlossenheit, Konservatismus und Maskulines Aussehen. Die Manipulation der Haarfülle zeigte nur bei zwei Faktoren bemerkenswerte systematische Effekte. Mit Ausnahme des ältesten Mannes wurden alle Männer deutlich attraktiver eingestuft, wenn sie ein Toupet trugen. Auf der anderen Seite erschienen sie ohne Toupet als die besseren Familienväter. „Ob dieser Eindruck als eine positive Wirkung der Glatze interpretiert werde sollte, ist fraglich. Mit Glatze ist ein Mann wesentlich weniger attraktiv und man traut ihm keinen Erfolg bei Frauen zu; da ist es wenig verwunderlich, dass man ihn für einen fürsorglichen Ehemann und guten Vater hält, der keine außerehelichen Affären hat“, so Henss.

Der Gesamteindruck entscheidet

Insgesamt fügen sich die Ergebnisse hervorragend in die vorliegenden Forschungsbefunde. Wenngleich die Ergebnisse von Untersuchung zu Untersuchung ein wenig anders ausfallen, konnten zwei Effekte über verschiedene Untersuchungen hinweg reproduziert werden: Mit Glatze erscheint ein Mann älter und weniger attraktiv. Da Alter und Attraktivität auf dem Partnermarkt und in anderen Bereichen des sozialen Lebens eine wichtige Rolle spielen, scheint die Sorge um den Erhalt der Haarpracht nicht völlig unbegründet. Da hilft auch nicht der immer wieder zu hörende Hinweis auf Sean Connery, der doch schließlich mit Glatze im Alter immer noch gut aussieht. Dieser trug bekanntlich in seiner James-Bond-Ära, in der er den unwiderstehlichen Frauenhelden mimte, ein Toupet. Und heute ist er gewiss nicht wegen seiner Glatze attraktiv, sondern weil er eine sehr attraktive Gesichtsstruktur besitzt, die die Wirkung der Glatze mehr als aufwiegt. Dies ist auch einer der wichtigsten Punkte der Studie: Die psychologische Forschung zeigt, dass in aller Regel die individuelle Gesamtkonfiguration des Gesichts eine wesentlich wichtigere Rolle spielt als Einzelaspekte wie beispielsweise die Haarfülle. Henss: „Aber auch das ist nicht unbedingt ein Trost – schließlich hat nicht jeder Mann die Physiognomie von Sean Connery.“

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in DERMAforum – Zeitung für die Dermatologie, Mai 2002, Nr. 5. Spezial: „Haare“, Seite 14

Alle Rechte beim Autor. Nachdruck und Vervielfältigung – auch auszugsweise – nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors

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Dimensionen der Beurteilung erotischer Fotos
Ergebnisse einer online-Studie

PD Dr. Ronald Henss

Nach welchen globalen Gesichtspunkten werden erotische Bilder beurteilt?

Zur Beantwortung dieser Frage wurde eine online-Befragung zur Beurteilung erotischer Fotos durchgeführt.

Es wurden insgesamt 100 Fotos verwendet. Jedes Foto zeigte eine einzelne Frau in einer erotischen Pose; aus urheberrechtlichen Gründen ist es leider nicht möglich, diese Fotos hier zu zeigen.

Pro Versuchsdurchgang wurde jeweils ein einzelnes Bild präsentiert. Die Aufgabe der Versuchspersonen bestand darin, dieses Bild anhand von 72 Adjektiven zu beurteilen. Die Beurteilungen erfolgten auf 5-stufigen Ratingskalen mit den Stufen  „völlig unzutreffend“, „eher nicht zutreffend“, „weder noch“, „trifft eher zu“, „trifft völlig zu“.

Außerdem wurde um eine globale Beurteilung (Gesamtnote) anhand der folgenden 7-stufigen Skala gebeten. „Wie gefällt Ihnen das Bild insgesamt?“ mit den Endpolen „überhaupt nicht“ bis „außerordentlich gut“.

Schließlich wurden noch Alter, Geschlecht, Beruf und Herkunftsland der Versuchsteilnehmer erfragt. 

Es gingen mehr als 4.400 Einsendungen ein. Nach Ausschluß doppelter, unvollständiger oder offenkundig unsinniger Datensätze verblieben 4.193 Urteilsreihen. Diese stammen zu 79,6 Prozent von Männern und zu 20,4 Prozent von Frauen. Das Alter der Versuchsteilnehmer reicht von 15 bis 73 Jahren. Die prozentuale Altersverteilung ist der folgenden Tabelle zu entnehmen.

15-19 20-29 30-39 40-49 50-59 60-73
10,0 48,4 29,5 8,9 2,7 0,4

.

Eine faktorenanalytische Auswertung macht deutlich, daß die 72 Adjektive im wesentlichen zu 4 globalen Urteilsdimensionen — im psychologischen Fachjargon: Faktoren — zusammengefaßt werden können. Die folgende Tabelle gibt eine Kurzcharakteristik dieser 4 Faktoren.
 

Faktor 1 Faktor 2 Faktor 3 Faktor 4
heiß
geil
scharf
aufreizend
lüstern
lustvoll
herausfordernd
erregend
verführerisch
aufregend
wild
provozierend
entwürdigend
pervers
schweinisch
skandalös
schockierend
verwerflich
herabwürdigend
unsittlich
unmoralisch
abstoßend
geschmacklos
unappetitlich
stilvoll
anspruchsvoll
romantisch
künstlerisch
gefühlvoll
kunstvoll
stimmungsvoll
sinnlich
geheimnisvoll
ästhetisch
phantasievoll
natürlich
künstlich
gestellt
gekünstelt
steif
verkrampft
ungekünstelt(-)
kitschig
 
 

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  • Faktor 1 bezieht sich im wesentlichen auf die Sexuelle Lust.
  • Faktor 2 charakterisiert die Moralische Verwerflichkeit.
  • Faktor 3 enthält eine Mischung aus Gefühl und Künsterlischem Wert.
  • Faktor 4 beschreibt die Künstlichkeit oder Unnatürlichkeit des Bildes.

Alle Rechte beim Autor. Nachdruck und Vervielfältigung – auch auszugsweise – nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors

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Zur psycho-sozialen Bedeutung des Haarausfalls

PD Dr. Ronald Henss

Haare: Nicht notwendig, aber außerordentlich wichtig

Der Mensch nimmt als „nackter Affe“ (12) eine Sonderstellung unter seinen nächsten Verwandten im Tierreich ein. Genau genommen sind wir natürlich nicht wirklich nackt; die Verteilung des Haarkleides weist lediglich ein für den Menschen charakteristisches Muster auf. Was auch immer die Gründe für die weitgehende Reduktion des Haarkleides gewesen sind – aus rein biologisch-medizinischer Sicht können wir feststellen: Wenn es um das bloße Überleben geht, dann sind Haare nicht notwendig. Auf der anderen Seite müssen wir aber feststellen, dass Haare eine außerordentlich wichtige Rolle spielen, und zwar vor allem in sozialer und psychologischer Hinsicht.

Die Bedeutsamkeit des Haares lässt sich nicht zuletzt an dem Aufwand an Zeit und Geld erkennen, den wir zu seiner Pflege treiben. Für die meisten Frauen dürfte der kumulierte Zeitaufwand mehrere Monate betragen, in Einzelfällen sogar Jahre. Haare sind aber nicht nur für Frauen ein wichtiges Thema, sondern auch für Männer. Beim „starken Geschlecht“ steht die Angst vor dem Haarverlust im Vordergrund. Von der typischen Erscheinungsform des männlichen Haarausfalls, der erblich bedingten (androgenetischen) Alopezie, sind weltweit mehrere Hundert Millionen Männer betroffen. Nach einer Studie des EMNID Instituts haben 40 Prozent der deutschen Männer im Alter von 30 bis 50 Jahren bei sich persönlich Haarausfall festgestellt. 15 Prozent haben zumindest stark ausgeprägte Geheimratsecken, und 3 Prozent nur einen Haarkranz (17). Für die meisten Männer ist der Verlust des Haares zumindest unangenehm; für einige ist er mit ernsten psychischen Problemen verknüpft (2). Darüber hinaus liegen Hinweise vor, dass eine Glatze zu realen negativen sozialen Konsequenzen führen kann (2, 17). Im Kampf gegen die Glatze wenden Männer beträchtliche Mittel auf. Zum Beispiel sollen US-amerikanische Männer hierfür pro Jahr mehr als 7 Milliarden Dollar ausgeben (7).

Die enorme Bedeutsamkeit des Haares ist kein neuartiges Phänomen unserer modernen westlichen Gesellschaft. Bezeichnenderweise ist eines der ältesten Medikamente, die wir aus der Medizingeschichte kennen, ein Mittel gegen die Männerglatze: Vor 4.000 Jahren rieben sich die alten Ägypter eine Tinktur aus gemahlenen und in Öl gebratenen Hundepfoten und Eselshufen auf ihre kahlen Häupter. Ähnlich skurrile Mixturen kennen wir aus verschiedensten Jahrhunderten und aus allen Teilen der Welt (8). Aber es bleibt nicht nur beim Kampf gegen die Glatze. Auch wenn es „nur“ um die bloße Verschönerung des Haares geht, wurde seit jeher und überall auf der Welt ein enormer Aufwand betrieben; und zwar sowohl von Männern als auch von Frauen. Unzählige Zeugnisse aus der Geschichte, der Völkerkunde und der Archäologie belegen, dass das Haar zu allen Zeiten und in allen Kulturen eine herausragende Rolle gespielt hat und auch heute noch spielt (3, 8, 11, 13, 16).

Variabilität, Manipulierbarkeit, Signalfunktionen

Da unser Haarkleid aus rein biologisch-medizinischer Sicht nicht unbedingt notwendig ist, ist klar: Wenn es um Haare geht, geht es in allererster Linie um das Aussehen. Wer mit seinen Haaren unzufrieden ist, der ist mit seinem Aussehen unzufrieden. Damit sind Haare in einem ganz zentralen Sinn ein psychologisches Thema.

Sowohl die Alltagserfahrung als auch die sozialwissenschaftliche Forschung machen unmissverständlich klar: Aussehen zählt (5, 6, 10, 11, 18). Unser äußeres Erscheinungsbild trägt entscheidend dazu bei, wie wir von anderen gesehen werden und wie wir uns selbst sehen; und es hat eine Vielzahl realer psychologischer und sozialer Konsequenzen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Menschen überall auf der Welt versuchen, ihr Aussehen zu verändern und an soziale und individuelle Standards anzupassen. Primitive Kulturen nehmen häufig gravierende körperliche Veränderungen vor, die lange überdauern und oft schmerzhaft sind und in unseren Augen als Verstümmelungen erscheinen. In modernen Kulturen sind die Veränderungen zumeist eher vorübergehender Natur. Eine der einfachsten und zugleich wichtigsten und effektivsten Möglichkeiten zur Veränderung des Aussehens bieten die Haare.

Um die immense Bedeutung des Haares zu verstehen, sind drei eng miteinander zusammenhängende Punkte zu berücksichtigen, die sich durch die Stichworte Variabilität, Manipulierbarkeit und Signalfunktion kennzeichnen lassen.

Haare weisen eine sehr große Variabilität auf. Zum Beispiel zeigen sich bedeutsame Unterschiede im Hinblick auf Farbe, Länge, Textur, Stil, Fülle, Lokation und Echtheit. Variationen in diesen Dimensionen können erhebliche Unterschiede im Aussehen bewirken.

Haare sind als „natürlich nachwachsender Rohstoff“ – zumindest bei den Glücklichen, die Haare haben – problemlos verfügbar und sie lassen sich in vielfältiger Weise manipulieren (schneiden, kämmen, locken, flechten, färben, rasieren usw.). Durch die leichte Manipulierbarkeit eröffnen sich einzigartige Gestaltungsmöglichkeiten, die das äußere Erscheinungsbild wesentlich beeinflussen können.

Haare haben eine Reihe von Signalfunktionen, die für unser soziales Leben außerordentlich bedeutsam sind. Sie liefern zum Beispiel Hinweise auf das Alter, das Geschlecht, die ethnische Gruppe, die soziale (Sub-)Gruppe, den sozialen Rang und nicht zuletzt auf die Individualität.

Haare sind wichtig, weil sie entscheidenden Einfluss auf die äußere Erscheinung haben und weil sie wichtige Informationen über ihren Träger vermitteln. Diese Informationen können sich ebenso auf biologische Qualitäten beziehen wie auf die soziale Identität und die Individualität.

Soziale Symbole

Es gibt vermutlich keine Kultur, die den Haaren völlig indifferent gegenübersteht. Überall auf der Welt werden Haare mit gewissen Symbolfunktionen verknüpft. Obgleich sich soziale Symbole im Laufe der Zeit ändern und durch verschiedene soziale Gruppen unterschiedlich interpretiert werden können, lassen sich durchaus auch kulturübergreifende Tendenzen erkennen. Synnott (16) hebt die folgenden Prinzipien hervor:

  • unterschiedliche Geschlechter haben unterschiedliches Haar
  • Kopfhaar und Körperhaare haben unterschiedliche Bedeutungen
  • unterschiedliche Ideologien zeigen sich in unterschiedlichem Haar

In Bezug auf symbolische Zusammenhänge zwischen Haarlänge und Sexualität zeigen sich über verschiedene Kulturen hinweg die Tendenzen:

  • langes Haar: uneingeschränkte Sexualität
  • kurzes, teilrasiertes oder eng zusammengebundenes Haar: eingeschränkte Sexualität
  • glattrasierter Kopf: Zölibat

Der seit alters her anhaltende Kampf gegen die Männerglatze weist darauf hin, dass der männliche Haarausfall in nahezu allen Kulturen negativ bewertet wird. Obgleich die typische Erscheinungsform des männlichen Haarausfalls (androgenetische Alopezie) als „männliches Geschlechtsmerkmal“ angesehen werden kann, wird sie zumeist nicht als Symbol einer gesteigerten Männlichkeit angesehen. Ganz im Gegenteil wurde und wird die Glatze in vielen Kulturen eher als Symbol des Alters und des Todes und der schwindenden Männlichkeit interpretiert.

Eindruckswirkung der Männerglatze

Die androgenetische Alopezie hat ohne Zweifel biologische Ursachen. Damit ist ihre ursächliche Bekämpfung eine Angelegenheit der Medizin. Die Auswirkungen des männlichen Haarausfalls sind aber primär psychologischer Natur. In psychologischer Hinsicht lässt sich das Thema Haarausfall aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten (die nicht unabhängig voneinander sind):

  • Wirkung auf Andere (Fremdbild)
  • Psychologische Konsequenzen (Selbstbild, psychische Probleme)
  • Persönlichkeitskorrelate
  • Soziale Konsequenzen (z.B. Partnerschaft, Beruf)
  • Möglichkeiten der psycho-sozialen und therapeutischen Unterstützung

Ein Überblick über die (relativ spärliche) psychologische Forschung zum erblich bedingten Haarausfall beim Mann findet sich bei Cash (2).

Im Folgenden beschränken wir uns auf einen Teilaspekt, nämlich die Frage „Wie wirkt die Glatze auf den Betrachter?“. Dieser Aspekt ist von besonderer Bedeutung, weil er den Ausgangspunkt weitreichender psychologischer und sozialer Probleme darstellen kann. Würde es in den Augen unserer Mitmenschen keinerlei Unterschied machen, ob wir eine Glatze oder einen vollen Haarschopf haben, dann würde sich die Frage nach psychologischen und sozialen Konsequenzen des Haarausfalls erübrigen. Aber bereits die Alltagserfahrung zeigt, dass diese Voraussetzung mit Sicherheit nicht erfüllt ist.

Bislang liegen nur wenige psychologische Untersuchungen zur Eindruckswirkung der Männerglatze vor (zu einem Überblick vgl. 1, 2, 14). Insgesamt zeigt sich aber, dass die Glatze überwiegend negativ beurteilt wird. Zum Beispiel wurde in einer Studie von Cash (1) Glatzenträgern ein geringeres Selbstwertgefühl und ein geringerer Lebenserfolg zugetraut; sie erschienen zugleich weniger sympathisch und weniger attraktiv; und sie wurden deutlich älter geschätzt.

Eine interessante Überlegung wurde von Muscarella und Cunningham eingebracht (14). Während einige Autoren vermuten, dass sich die Glatze im Laufe der Evolution als Signal der männlichen Dominanz entwickelt hat (4), weisen Muscarella und Cunningham darauf hin, dass ein kahler Männerkopf eher mit dem Kindchenschema übereinstimmt („babyface“-Merkmale). Dementsprechend nehmen die Autoren an, dass sich die Glatze als ein Indikator der sozialen Beschwichtigung evolviert hat. Mit Hilfe retuschierter Fotos konnten sie zeigen, dass ein und dieselben Personen mit Glatze weniger aggressiv erschienen als mit vollem Haar und gleichzeitig auf der Dimension ‚Beschwichtigung‘ (scheu, feminin, Babyface, naiv, freundlich) höhere Werte erzielten. Darüber hinaus erzielten die Glatzenträger auch positivere Beurteilungen auf einem Faktor, der Aspekte der Intelligenz und der sozialen Verträglichkeit umfasste. In diesem Punkt hatten sich jedoch bei Cash (1) andere Ergebnisse gezeigt: Dort ergab sich im Hinblick auf die eingeschätzte Intelligenz kein Effekt; und im Hinblick auf die soziale Verträglichkeit schnitten die Glatzenträger deutlich schlechter ab.

An der Universität des Saarlandes haben wir bislang zwei Studien zur Eindruckswirkung der Männerglatze abgeschlossen. In der ersten Studie wurden Gesichterfotos von 90 Männern im Alter von 20 bis 60 Jahren vorgelegt. Die Beurteilung erfolgte im Hinblick auf Merkmale, die als Komponenten des männlichen Partnerwerts aufgefasst werden können, und zwar: Attraktivität, sexuelle Attraktivität, Gesundheit, Maskulinität, Berufsprestige, Mode, „Babyface“, Stimmung, Alter (6). Außerdem wurde durch eine unabhängige Urteilergruppe der Grad des Haarausfalls nach der Klassifikation von Norwood (15) beurteilt. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Glatze in nahezu jeder Hinsicht negativ wirkt. Nachdem das Alter der beurteilten Personen herausgerechnet wurde, verblieben jedoch nur noch zwei statistisch signifikante Befunde: Glatzenträger werden älter geschätzt als sie tatsächlich sind, und sie sind sexuell weniger attraktiv als Männer mit vollerem Haar. Die zweite Studie wurde über das Internet durchgeführt. Von 9 Männern wurden jeweils zwei Bildversionen erstellt: Eine mit vollem Haar, die andere mit Glatze (bei Männern mit vollem Haar wurde die Glatze per Computer retuschiert; bei Glatzenträgern wurde ein voller Haarschopf durch eine Perücke erzielt). An der Untersuchung, die in einer deutsch- und in einer englischsprachigen Version vorlag, nahmen mehr als 1.800 Versuchspersonen aus aller Welt teil, davon waren 80 Prozent Frauen. Die Versuchspersonen sahen jeweils nur ein einziges Bild, das sie im Hinblick auf 80 Persönlichkeitsmerkmale beurteilen sollten. Aus den Einzelurteilen konnten vier globale Dimensionen des Persönlichkeitseindrucks gewonnen werden: Sexuelle Attraktivität (z.B. sexy, verführerisch, Erfolg bei Frauen, guter Liebhaber), Eignung als Ehepartner (z.B. gutmütig, familienorientiert, treuer Ehemann, guter Vater), Beruf/Karriere (Erfolg im Beruf, karriereorientiert, intelligent, angesehener Beruf) und Selbstsicherheit (selbstbewusst, schüchtern, nervös, zurückhaltend). Die Haarfülle hatte keinen statistisch signifikanten Einfluss auf die vermutete Eignung als Ehepartner und den eingeschätzten Berufserfolg. Demgegenüber wurden die Männer in der Version mit vollem Haar als deutlich selbstsicherer eingeschätzt als in der Version mit Glatze. Besonders stark war der Effekt bezüglich der sexuellen Attraktivität: Die Glatze führte zu erheblichen Einbußen der sexuellen Attraktivität. Darüber hinaus wurden die Männer im Mittel um etwa 2 Jahre älter geschätzt, wenn sie eine Glatze hatten.

Obgleich die Befunde nicht in allen Punkten übereinstimmen, lassen die bislang vorliegenden psychologischen Studien einige Verallgemeinerungen über die Eindruckswirkung der Männerglatze zu. Glatzenträger wirken deutlich älter als Männer mit vollem Haar. Glatzenträger schneiden zudem vor allem im Hinblick auf die sexuelle Attraktivität sehr viel schlechter ab. Darüber hinaus hält man sie für weniger selbstsicher.

Insgesamt weist das Glatzenstereotyp deutlich mehr negative als positive Aspekte auf. Glatzenträger scheinen in den Augen der Anderen eher am Rand des sozialen Lebens zu stehen. Werte wie Jugendlichkeit, sexuelle Attraktivität, Aktivität, aufregendes Leben, scheinen hingegen für diejenigen reserviert zu sein, die (noch) über einen vollen Haarschopf verfügen. Damit trägt der Verlust des Haares zu einer Minderung des Partnerwerts bei. Vermutlich ist dies einer der wesentlichen Gründe dafür, dass Männer zu allen Zeiten und in allen Kulturen dem Verlust ihres Haupthaares mit Bangen entgegensahen – und dass zumindest einige mit allen Mitteln versuchten, dieser Bedrohung entgegenzuwirken.

P.S.: Offenbar stellt uns nun die moderne Medizin zum ersten Mal Mittel zur Verfügung, die eine ursächliche Bekämpfung des Haarausfalls ermöglichen (7).

Ausgewählte Referenzen

  1. Cash, T. F. (1990). Losing hair, losing points?: The effects of male pattern baldness on social impression formation. Journal of Applied Social Psychology, 20, 154-167.
  2. Cash, T. F. (1999). The psychological consequences of androgenetic alopecia: a review of the research literature. British Journal of Dermatology, 141, 398-405.
  3. Cooper, W. (1971). Hair. Sex, society, symbolism. New York: Stein and Day Publishers.
  4. Guthrie, R. D. (1976). Body hot spots. The anatomy of human social organs and behavior. New York: Van Nostrand Reinhold Company.
  5. Henss, R. (1992). „Spieglein, Spieglein an der Wand …“ Geschlecht, Alter und physische Attraktivität. Weinheim: Psychologie Verlags Union.
  6. Henss, R. (1998). Gesicht und Persönlichkeiseindruck. Göttingen: Hogrefe.
  7. Kaufman, K. D. et al. (1998). Finasteride in the treatment of men with androgenetic alopecia. Journal of the American Academy of Dermatology, 39, 578-589.
  8. Kligman, A. M. & Freeman, B. (1988). History of baldness from magic to medicine. Clinics in Dermatology, 6, 83-88.
  9. Kobren, S. D. (1998). The bald truth. The first complete guide to preventing and treating hair loss. New York: Pocket Books.
  10. Landau, T. (1993). Von Angesicht zu Angesicht. Was Gesichter verraten und was sie verbergen. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.
  11. Ligget, J. & Liggett, A. (1990). Die Tyrannei der Schönheit. München: Heyne.
  12. Morris, D. (1969). Der nackte Affe. München: Droemer Knaur.
  13. Morris, D. (1986). Körpersignale: Vom Scheitel bis zum Kinn. München: Heyne.
  14. Muscarella, F. & Cunningham, M. R. (1996). The evolutionary significance and social perception of male pattern baldness and facial hair. Ethology and Sociobiology, 17, 99-117.
  15. Norwood, O’T. T. (1975). Male pattern baldness: Classification and incidence. Southern Medical Journal, 68, 1359-1365.
  16. Synnott, A. (1987). Shame and glory: A sociology of hair. The British Journal of Sociology, 38, 381-413.
  17. Tischer, B. (1999). Einfluss von Haarausfall auf Personalentscheidungen. Pullach: EMNID Institut.
  18. Zebrowitz, L. A. (1997). Reading faces. Window to the soul? Boulder: Westview Press. Haare und Identität

Dieser Beitrag ist die Ausarbeitung eines Vortags auf dem 22. Winterthurer Fortbildungskurs „Von Haut und Haar“, Wintherthur, 25. Mai 2000. Organisation: Dr. med. H. Kappeler, Winterthur.

Alle Rechte beim Autor. Nachdruck und Vervielfältigung – auch auszugsweise – nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors

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Mythos Blond – Faszination und Polarisierung

Blondes Haar fasziniert      Es gibt eine Fülle von Belegen dafür, dass blondes Frauenhaar seit jeher eine besondere Faszination ausübt.

Schon in der Antike galt blondes Haar als Schönheitsideal und reiche Römerinnen versuchten ihr natürliches dunkles Haar zu bleichen oder mit Perücken aus dem Haar blonder Germaninnen oder Gallierinnen zu verdecken.

Eine Untersuchung von Rich und Cash (1993) zeigt, dass in verschiedenen amerikanischen Magazinen der Anteil der abgebildeten Blondinen weit größer ist ihr Anteil in der Bevölkerung. Ganz besonders deutlich zeigt sich die Überrepresentanz von Blondinen im „Playboy“; ein unmissverständlicher Hinweis für die starke Sexualisierung der Haarfarbe blond.

Eine Überrepräsentation blonder Frauen in amerikanischen Fernsehprogrammen hat zum Beispiel Davis (1990) belegt.

Laut einer Zählung von McCracken führte Leonard Maltin’s „Movie and Video Guide“ in einer früheren Ausgabe allein 26 Filme auf, in denen die Farbe „blond“ im Titel vorkommt, während „Brünetten“ diese Ehre nur zwei Mal zu Teil wurde.

Eine Anfrage zum Stichwort „Blondine“ in der Suchmaschine google.de ergab am 13. Februar 2003 sage und schreibe rund 208.000 Links. Eine Suche nach „brünett Brünette“ ergab hingegen bescheidene 4.140 Treffer (wobei in vielen der betreffenden Seiten auch „blond“ oder „Blondine“ vorkam).

Blondes Haar polarisiert           Obwohl blondes Frauenhaar oft sehr positiv bewertet wird, ist es auf der anderen Seite aber auch oft Zielscheibe von Spott und Gehässigkeit. Ein besonders augenfälliges Phänomen ist der Blondinenwitz.
Eine Suchanfrage in der Suchmaschine google.de zum Stichwort „Blondinenwitz Blondinenwitze“ ergab am 13. Februar 2003 mehr als 1.200 Treffer.

Blondinenwitze
Kennen Sie den?   Kommt eine Blondine in den Supermarkt …
Oder den?   Warum kann eine Blondine nie …
Oder den?   Warum liegt eine Blondine immer …

Die Unzahl von Blondinenwitzen zeigt, dass blonde Frauen oft Zielscheibe negativer Bewertung werden. Dabei ist es ganz wichtig zu beachten, dass sich der aggressive Spott keineswegs gegen alle blonden Frauen richtet, sondern nur gegen eine kleine Minderheit. Anders gesagt: Eine Frau mit blondem Haar ist nicht gleichzusetzen mit einer Blondine. Was aber sind die charakteristischen Merkmale, die eine „typische“ Blondine ausmachen?

Zu dieser Frage bereiten wir eine Webseite vor – und Sie können uns bei dieser Arbeit unterstützen. Teilen Sie uns doch einfach mit, welche Merkmale Ihrer Meinung nach eine typische Blondine besitzen muss.

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Ob blond, ob schwarz, ob braun …
Präferenzen für Haarfarben

Ob blond, ob schwarz, ob braun …

Das Thema „Haarfarben“ ist allzeit von großem Interesse. Um ein wenig Licht in die Diskussion zu bringen, veröffentlichen wir ein paar vorläufige Ergebnisse einer außerordentlich umfangreichen Untersuchung zu Präferenzen für Haarfarben.

Im Rahmen einer online-Untersuchung – die noch nicht abgeschlossen ist – wurden mehr als 15.000 Teilnehmer nach ihren Vorlieben und Abneigungen hinsichtlich der Haarfarbe von Männern und Frauen befragt.
Die folgenden Befunde beruhen auf einer Teilstichprobe von mehr als 14.000 Versuchspersonen. Rund 24 Prozent waren Männer und 76 Prozent Frauen. Die Untersuchung wurde in einer deutsch- und in einer englischsprachigen Version durchgeführt. Etwa 43 Prozent der Teilnehmer stammen aus dem deutschsprachigen Raum (davon mehr als 80 Prozent aus Deutschland) und 57 Prozent aus verschiedenen Ländern (darunter die meisten aus den USA).

Im Rahmen der Untersuchung wurden unter anderem folgende Fragen gestellt:

Welche Haarfarbe bevorzugen Sie bei Männern?
Welche Haarfarbe bevorzugen Sie bei Frauen?
Welche Haarfarbe gefällt Ihnen bei Männern am wenigsten?
Welche Haarfarbe gefällt Ihnen bei Frauen am wenigsten?

Die möglichen Antworten waren in allen Fällen:
hellblond
mittelblond
dunkelblond
hellbraun
mittelbraun
dunkelbraun
schwarz
rotblond
rotbraun
rot

Zur Datenanalyse, über die im Folgenden berichtet wird, wurden der Einfachheit halber nur die Kategorien „blond“, „braun“, „schwarz“ und „rot“ unterschieden (detaillierte Befunde werden an anderer Stelle dargestellt).
Zur Vereinfachung wurden hell-, mittel- und dunkelblond zu „blond“ und hell-, mittel- und dunkelbraun zu „braun“ zusammengefasst Die Kategorien „rotblond“ und „rotbraun“ wurden wegen der unklaren Zuordnung nicht berücksichtigt.

Ergebnisse
Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse zu den vier Fragen in Häufigkeitsdiagrammen dargestellt. Die blauen Säulen stellen die Prozentanteile innerhalb der männlichen, die roten Säulen die Prozentanteile innerhalb der weichlichen Stichprobe dar.

Bevorzugte Haarfarbe bei Männern
Die Antworten auf die Frage „Welche Haarfarbe bevorzugen Sie bei Männern?“ sind in der folgenden Grafik dargestellt.
(Aus technischen Gründen finden sich die Graphiken »»» hier.)

Die Abbildung macht deutlich, dass bei Männern die Haarfarbe „braun“ eindeutig bevorzugt wird. Sie liegt bei rund 51 Prozent der Männer und 62 Prozent der Frauen mit großem Abstand an erster Stelle. Blond und schwarz liegen etwa gleichauf mit einem ganz kleinen Vorteil für Blond. Eindeutig nicht erwünscht ist rotes Männerhaar (männliche Urteiler: 1,4%; weibliche Urteiler: 0,5%).

Unerwünschte Haarfarben bei Männern
Die folgende Grafik zeigt die Antworten auf die Frage „Welche Haarfarbe gefällt Ihnen bei Männern am wenigsten?“.
(Aus technischen Gründen finden sich die Graphiken »»» hier.)

Die Befunde sind eindeutig: Die mit weitem Abstand unbeliebteste Haarfarbe bei Männern ist Rot. Dies spiegelt das Ergebnis zur bevorzugten Haarfarbe. Am zweitschlechtesten schneidet Blond ab. Gut ein Viertel der Befragten (Männer: 25,4%; Frauen: 25,5%) finden Blond bei den Männern besonders unattraktiv. Schwarz und Braun schneiden mit Abstand am besten ab, wobei Braun einen leichten Vorsprung hat.

Zwischenbilanz: Haarfarben bei Männern
Im Hinblick auf die Haarfarben von Männern gibt die Untersuchung ein sehr klares Bild, das sich durch folgende Schlagworte kennzeichnen lässt:

Braunes Männerhaar ist absolute Spitze (insbesondere aus Sicht der Frauen)
Rotes Männerhaar wird extrem abgelehnt (insbesondere von Frauen)
Blondes Männerhaar spaltet die Gemüter (insgesamt eher negativ als positiv, insbesondere aus der Sicht der Frauen)

Bevorzugte Haarfarbe bei Frauen
Die Antworten auf die Frage „Welche Haarfarbe bevorzugen Sie bei Frauen?“ sind in der folgenden Grafik dargestellt.
(Aus technischen Gründen finden sich die Graphiken »»» hier.)

Im Hinblick auf die bevorzugte Haarfarbe bei Frauen zeigen sich einerseits sehr klare Farbpräferenzen, andererseits gibt es auch deutliche Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Beurteilern. Bei männlichen Urteilern liegt Blond an erster Stelle mit einem deutlichen Vorsprung vor Braun, das den zweiten Platz belegt. Bei den weiblichen Urteilern ist dies genau umgekehrt. Deutlich schlechter schneiden Schwarz und Rot ab, wobei bei Männern ebenso wie bei Frauen Schwarz auf dem vorletzten und Rot auf dem letzten Platz rangiert.

Unerwünschte Haarfarben bei Frauen
Die folgende Grafik zeigt die Antworten auf die Frage „Welche Haarfarbe gefällt Ihnen bei Frauen am wenigsten?“.
(Aus technischen Gründen finden sich die Graphiken »»» hier.)

Auch im Hinblick auf die unbeliebteste weibliche Haarfarbe gibt es eine deutliche Geschlechterdifferenz. Diese bezieht sich nunmehr auf Blond vs. Rot. Bei den Männern ist rotes Frauenhaar am wenigsten beliebt, gefolgt von Blond. Bei den Frauen ist umgekehrt Blond am wenigsten beliebt, gefolgt von Rot. Braunes und schwarzes Frauenhaar werden am seltensten als unerwünscht angesehen, und hierin stimmen männliche und weibliche Urteiler überein.

Zwischenbilanz: Haarfarben bei Frauen
Auch im Hinblick auf die Haarfarben von Frauen gibt die Untersuchung sehr klare Antworten:

Rotes Frauenhaar schneidet insgesamt am schlechtesten ab (insbesondere aus Sicht der Männer)
Braunes Frauenhaar schneidet alles in allem am besten ab (insbesondere aus Sicht der Frauen)
Blondes Frauenhaar polarisiert sehr stark (mehr als ein Drittel der Frauen finden Blond am attraktivsten während etwa 40 Prozent Blond am unattraktivsten finden. Unter den Männern zeigen mehr als 40 Prozent eine Vorliebe und knapp 30 Prozent eine Abneigung gegen blondes Frauenhaar)

Kurze Bilanz
Insgesamt macht die Untersuchung deutlich:

Im Hinblick auf die Haarfarbe haben nicht alle Menschen den gleichen Geschmack
Das Geschlecht der Beurteilten macht einen gravierenden Unterschied. Das heißt: Die Haarfarbe von Männern wird wesentlich anders beurteilt als die Haarfarbe von Frauen
Das Geschlecht der Urteiler macht einen Unterschied (insbesondere wenn es um die Haarfarbe von Frauen geht)
„Kritische“ Haarfarben sind eindeutig Blond und Rot.
Abschließende Bemerkung
Wie bereits gesagt, werden detaillierte Ergebnisse dieser Studie an anderer Stelle berichtet.

Alle Rechte beim Autor. Nachdruck und Vervielfältigung – auch auszugsweise – nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors.

Weitere Informationen zum Thema »»» Haar und Psychologie

Alle Rechte beim Autor. Nachdruck und Vervielfältigung – auch auszugsweise – nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors

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Haarfarben und Persönlichkeitseindruck

Ob blond, ob schwarz, ob braun …

Über Haarfarben wird oft und gerne geredet und oftmals geht es um die Frage, was die Haarfarbe über ihren Träger – oder besser: ihre Trägerin, denn zumeist handelt es sich dabei um eine Frau – aussagt.

Deutungen gibt es zuhauf. Aber sind Blondinen wirklich schön aber dumm? Sind Rothaarige feurig, temperamentvoll und gefährlich? Wirken Schwarzhaarige melancholisch? Und wirken Brünette unauffällig, bodenständig und solide?

Obwohl es sich in vielen Fällen um voreilige Schlüsse und unhaltbare Annahmen handeln dürfte, ist doch davon auszugehen, dass unterschiedliche Haarfarben beim Betrachter unterschiedliche Eindrücke erwecken können.

Ich habe zu diesem Thema eine kurze Zusammenfassung einer psychologischen Diplomarbeit ins Netz gestellt. Und hier möchte ich die Befunde kurz wiedergeben (*** hier findet sich die vollständige Fassung).

Effekte der Haarfarbe

Es zeigte sich, dass fünf der sieben Faktoren durch die Haarfarbe beeinflusst wurden. Die Ausnahmen waren „Weiblichkeit/Attraktivität“ und „Gesundheit/Jugendlichkeit“. Das heißt insbesondere auch, dass blondes Haar in dieser Untersuchung nicht attraktiver, weiblicher und jugendlicher wirkte als die anderen Haarfarben.

In den Bereichen, in denen die Haarfarbe einen Effekt hatte, ergab sich Folgendes:
• Emotionale Labilität: Am labilsten wirkte blondes Haar, am stabilsten rotes. Dieser Unterschied ist statistisch signifikant. Braun und schwarz nehmen eine Mittelstellung ein, wobei sich diese weder signifikant von blond noch von rot unterschieden.
• Risikobereitschaft/Extraversion: Rotes Haar erzielte mit Abstand die höchsten Werte. Schwarzes Haar eindeutig die niedrigsten. Blond und Braun lagen in der Mitte.
• Soziale Verträglichkeit: Das exakte Spiegelbild zu Risikoberetischaft/Extraversion. Das heißt: Schwarzes Haar erschien mit Abstand am verträglichsten, rotes am unverträglichsten und blond und braun lagen gleichauf dazwischen.
• Berufserfolg: Schwarzes Haar schnitt wesentlich besser ab als blondes, braunes und rotes, die sich ihrerseits nicht voneinander unterschieden (dieser Effekt kann aber nicht uneingeschränkt über alle zehn Frauen verallgemeinert werden).
• Unstetigkeit: Hier erzielte blondes Haar die höchsten Werte (also: gesellig, aber ungenau), schwarzes die niedrigsten und braun und rot lagen dazwischen.

Effekte der Haarlänge

Die Variation der Haarlänge zeigte lediglich auf dem Faktor „Risikobereitschaft/Extraversion“ einen sogenannten Haupteffekt, wobei kürzere Haare höhere Bewertungen erhielten als lange. Es zeigten sich jedoch zahlreiche Interaktionseffekte zwischen Haarlänge und den beurteilten Individuen. Das bedeutet, dass sich die Haarlänge sehr unterschiedlich auswirken kann, je nachdem um welche konkrete Frau es sich handelt. Demnach lassen sich aus dieser Untersuchung keine pauschalen Aussagen über die Wirkung der Haarlänge ableiten.

Abschließende Bemerkungen

Es soll ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass diese Ergebnisse keinesfalls den Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben. Selbstverständlich können bei anderen zu beurteilenden Personen auch andere Ergebnisse auftreten. Insbesondere ist auch zu beachten, dass die Haarfarben und die Frisuren durch die Verwendung des Frisurenprogramms zum Teil recht unnatürlich erschienen.
Trotzdem ist festzuhalten, dass unterschiedliche Haarfarben (und Haarlängen) durchaus zu beträchtlich unterschiedlichen Eindrücken bei der Beurteilung fremder Personen führen können – genau dies sollte durch das Experiment aufgezeigt werden.

Alle Rechte beim Autor. Nachdruck und Vervielfältigung – auch auszugsweise – nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors.

Weitere Informationen zum Thema und die volle Fassung »»» Haarfarben und Persönlichkeitseindruck

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Glatze = hohe Stirn = Intelligenz?

PD Dr. Ronald Henss

Seit alters her ist der Verlust des Haupthaares für Männer ein großes Ärgernis. Dahinter steckt zumeist die Sorge, dass eine Glatze von den Mitmenschen negativ beurteilt wird.

Die psychologische Forschung zeigt, dass diese Sorge nicht unbegründet ist. Mehrere Untersuchungen belegen, dass eine Glatze in vielerlei Hinsicht negativ auf den Betrachter wirkt. Die deutlichsten Effekte zeigen sich bei Altersschätzungen und Attraktivitätsbeurteilungen. Männer wirken mit Glatze wesentlich älter und sie sind weniger attraktiv. Aber auch im Hinblick auf andere Eigenschaften schneiden Glatzenträger häufig schlechter ab.

Eine gewisse Ausnahme zeigt sich bei Einschätzungen der Intelligenz. In den meisten Studien hatte die Haarfülle keinen Einfluss. Gelegentlich wurden Glatzenträger sogar für intelligenter gehalten als Männer mit vollem Haar.

An der Universität des Saarlandes wurden mehrere Untersuchungen zur Eindruckwirkung der Glatze durchgeführt. Auch diese Studien unterstreichen die negative Wirkung der Glatze. Im Bezug auf die Frage „Glatze = höhere Stirn = Intelligenz?“ sind die Befunde gemischt. Lediglich in einem Fall ergab sich ein Vorteil für die Glatze.

Fünfzehn Männer im Alter von 30 bis Mitte 60 wurden unter standardisierten Bedingungen fotografiert. Ein Foto zeigte die Person in ihrer natürlichen Erscheinung mit Glatze. Auf einem anderen Bild trug sie ein Toupet, das von einem Haarspezialisten individuell angefertigt worden war.

Die Untersuchung wurde über das Internet durchgeführt. Auf dem Bildschirm wurden Fotos der 15 Männer simultan präsentiert. Die Anordnung erfolgte in zufälliger Reihenfolge. In jedem Einzelfall wurde per Zufall bestimmt, ob eine Person mit Glatze oder mit Toupet zu sehen war. Die Versuchpersonen hatten die Aufgabe, die Bilder im Hinblick auf das Merkmal „Intelligenz“ in eine Rangreihe zu bringen.

Insgesamt erzielte die Bildversion mit Glatze einen besseren Rangplatz als die Variante mit Toupet. Eine detaillierte Analyse zeigte, dass sieben Männer mit Glatze signifikant intelligenter erschienen als mit Toupet. Bei den verbleibenden acht Personen zeigten sich keine Unterschiede zwischen den beiden Bildvarianten. Insbesondere ergab sich in keinem einzigen Fall ein statistisch signifikanter Vorteil für den vollen Haarschopf. Plakativ ausgedrückt heißt dies: Glatzköpfe wirken intelligenter.

Aus einer anderen Perspektive muss diese Aussage jedoch stark relativiert werden. Die vier Männer, die am intelligentesten erschienen, machten stets die ersten vier Rangplätze unter sich aus – egal ob sie ein Toupet oder eine Glatze trugen. Ebenso blieben die vier Personen, die am wenigsten intelligent erschienen, stets unter sich – unabhängig von Glatze oder Toupet.

Das heißt: Der Unterschied zwischen Glatze und Toupet kann durchaus zu statistisch signifikanten Effekten führen. Aber die Verschiebungen in den Rangplätzen sind minimal. In der Gruppe der fünfzehn Männer war sehr klar „festgelegt“, wer auf der Skala des Intelligenzeindrucks die oberen, wer die mittleren und wer die unteren Ränge einnimmt.

Offenkundig wird der Intelligenzeindruck nur zu einem sehr kleinen Teil durch die Haarfülle bestimmt. Andere Faktoren sind ungleich bedeutsamer. Dies steht im Einklang mit einem zentralen Befund der psychologischen Gesichterforschung: In aller Regel spielt die individuelle Gesamtkonfiguration des Gesichts eine wesentlich wichtigere Rolle als Einzelaspekte wie zum Beispiel die Haarfülle.

(Anmerkung: Die hier berichtete Untersuchung ist Bestandteil der Diplomarbeit von Stefanie Becker: Zur Eindruckswirkung des Haarausfalls beim Mann. Saarbrücken, 2003)

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in DERMAforum Zeitung für die Dermatologie, Nr. 5 – Mai 2006, S.13

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