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Color me beautiful – Hautbeschaffenheit und Persönlichkeitseindruck
Methoden und Ergebnisse einer Diplomarbeit von Denise Mönch an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken, 2003
Zusammenfassung   © PD Dr. Ronald Henss

 

Das Folgende ist eine Zusammenfassung der Methoden und einiger wichtiger Ergebnisse der Diplomarbeit von Denise Mönch, die unter meiner Anleitung an der Universität des Saarlandes durchgeführt wurde. Die Studie konzentriert sich auf die Wirkung der Hautbeschaffenheit auf den Betrachter. Sie kann auch als Simulation der Anwendung von Kosmetik und der Eindruckswirkung des Schminkens interpretiert werden.

Ausgangspunkt war eine Datenbank mit Portraitfotos, die am Psychologischen Institut der Universität des Saarlandes angelegt wurde. Das Stimulusmaterial (Fußnote 1) bestand aus Fotos von Studentinnen, die mit Hilfe des Programms „Face Toolkit“ (Knabe, 2002) manipuliert wurden, um unterschiedliche Varianten des Schminkens zu simulieren.

Zunächst wurde aus den Fotos von 60 Studentinnen ein sogenanntes „Durchschnittsgesicht“ – besser: Komposit-Gesicht – erzeugt. (Fußnote 2) Dieses ist in Abbildung 1 mit „KS“ bezeichnet. Außerdem wurde ein Komposit-Gesicht von 5 Top-Models konstruiert („KM“).

Im aktuellen Kontext ist ein spezieller Aspekt des Kompositbildes von Interesse. Bereits ein flüchtiger Blick auf die Abbildung 1 macht deutlich, dass die Gesichtshaut bei den Komposits viel homogener erscheint als beim Original. Die Durchschnittsbildung hat zur Folge, dass Hautunreinheiten, Unregelmäßigkeiten, Unebenheiten und Falten verschwinden und die Textur ausgewogen und regelmäßig erscheint. In einem gewissen Sinne lässt sich diese Homogenisierung als eine erfolgreiche Anwendung von Foundation interpretieren.



Abbildung 1: Stimulusmaterial aus Mönch (2003)
In der Untersuchung wurden die Bilder ohne die schwarzen Balken präsentiert

Den Homogenisierungseffekt nutzte Mönch, um die Anwendung von Kosmetik zu simulieren. Das „Face Tookit“ bietet mit einem speziellen „Warping“-Modul die Möglichkeit, die Farbinformationen zweier Bilder in beliebigen Proportionen zu mischen, und zwar so, dass die geometrische Gesichtsstruktur nicht verändert wird. Mit Hilfe dieses Moduls wurde jeweils das Originalfoto in Richtung auf ein „Ankerbild“ verändert. Als Anker diente entweder das Komposit der Studentinnen (KS) oder das Komposit der Models (KM). Die Farbmischung erfolgte in zwei Stufen. In Stufe 1 lag das Mischungsverhältnis bei 2/3 Original zu 1/3 Komposit. In Stufe 2 bei 1/3 zu 2/3. (Fußnote 3) Die resultierenden „Schmink-Varianten“ sind in Abbildung 1 1 dargestellt. Die beiden Stufen lassen sich als schwache und starke Homogenisierung des Hautbildes oder als schwach und stark geschminkt interpretieren.

Abbildung 1 macht deutlich, dass das Model-Komposit intensivere Farbtöne aufweist als das Studentinnen-Komposit. Dies gilt sowohl für die Gesichtshaut als auch für die Lippen und die Augen. Dieser Unterschied kann ebenfalls als „stark bzw. schwach geschminkt“ interpretiert werden.

Für ihre Untersuchung zur Eindruckswirkung des „Schminkens“ benutzte Mönch die Fotos von 10 Studentinnen. Da zu jedem Originalbild die Varianten S1, M1, S2 und M2 erzeugt wurden, bestand das Stimulusmaterial aus 50 Bildern.

Die Untersuchung wurde über das Internet durchgeführt. Sie umfasste zwei Experimente, die sich im methodischen Ansatz wesentlich voneinander unterscheiden. Das erste Experiment war als Einzelreizbeurteilung konzipiert. Hierbei hat jede Versuchsperson nur ein einziges Gesicht zu beurteilen. Sie hat also keinerlei Vergleichsmöglichkeiten. Das zweite Experiment war eine Reizserienbeurteilung. Hier wurden die fünf Varianten ein und derselben Stimulusperson jeweils simultan präsentiert und die Versuchspersonen hatten die Aufgabe, die Bilder nach einem vorgegebenen Kriterium in eine Rangreihe zu bringen.

Am Einzelreizversuch nahmen 1072 Versuchspersonen teil. Das jeweils per Zufall ausgewählte Gesicht sollte nach 70 Merkmalen beurteilt werden (z.B. attraktiv, gesellig, nervös, wünscht sich viele Kinder, geht manchmal fremd). Die Beurteilungen erfolgten auf einer 5-stufigen Ratingskala (trifft gar nicht zu, trifft eher nicht zu, weder noch, trifft eher zu, trifft völlig zu). Durch die 70 Merkmale sollte der Persönlichkeitsbereich möglichst breit abgedeckt werden. Mit Hilfe einer Faktorenanalyse wurden 7 Faktoren des Persönlichkeitseindrucks ermittelt und wie folgt interpretiert: Attraktivität (attraktiv, gutaussehend, sexuell anziehend), Gute Mutter (gutmütig, gute Mutter, kinderlieb), Erfolg im Beruf (karriereorientiert, Erfolg im Beruf, selbstbewusst), Schweigsamkeit (schweigsam, verschlossen, zurückgezogen), Kreativität (phantasievoll, kreativ, einfallsreich), Lüsternheit (lüstern, sexuell untreu, leichtsinnig), Bürgerlichkeit (bürgerlich, einfältig, unauffällig). Anschließend wurden die Effekte der Bildmanipulation auf die 7 Persönlichkeitsfaktoren analysiert. Erwartungsgemäß zeigte sich ein deutlicher Einfluss auf die Attraktivität. Bei den meisten Stimuluspersonen ergab sich ein kontinuierlicher Anstieg vom Original über S1, M1, S2 zu M2. Das heißt, dass eine stärkere Homogenisierung attraktiver machte und dass die farbintensivere Model-Variante der schlichteren Studentinnen-Variante überlegen war. Ein weiterer, aber erheblich schwächerer Effekt ergab sich bezüglich Kreativität. Überraschenderweise wurden die „stark geschminkten“ Varianten (S2, M2) für weniger kreativ gehalten als das Original. Auf den anderen fünf Faktoren war kein Effekt der Bildmanipulation zu registrieren.

Ein anderes Ergebnis zeigte sich im zweiten Experiment, das in Form einer Reizserienbeurteilung durchgeführt wurde. Hierbei wurden jeweils die 5 Bildvarianten einer Stimulusperson simultan dargeboten und die Versuchperson sollte die Bilder nach einem bestimmten Kriterium in eine Rangreihe bringen. Über verschiedene Versuchspersonenstichproben hinweg wurden folgende Kriterien berücksichtigt: Attraktivität, Gute Mutter, Erfolg im Beruf, Schweigsamkeit, Kreativität (die Zahl der Beurteiler pro Kriterium lag zwischen 33 und 43). Als Stimuluspersonen wurden 6 der 10 Frauen aus dem ersten Experiment berücksichtigt. Die Analyse der Rangreihen erbrachte ein außergewöhnlich klares Muster. Bei fast allen Kriterien und fast allen Stimuluspersonen ergab sich die Rangreihe Original <* S1 <* M1 <* S2 <* M2. (Fußnote 4) Der gemeinsame Nenner lässt sich wie folgt auf den Punkt bringen: (1) Je homogener die Oberflächenbeschaffenheit desto besser, (2) die auffälligere Farbtönung der Models wirkte positiver als die schlichtere Färbung der Studentinnen. Dieses Grundmuster war besonders deutlich bei Attraktivität, Erfolg im Beruf und Gute Mutter. Insbesondere ist hervorzuheben, dass „Schminken“ auch eine positive Beurteilung der mütterlichen Qualitäten bewirkte. Außerdem ist hervorzuheben, dass – im Gegensatz zur Einzelreizbeurteilung – die stärker „geschminkten“ Varianten nun für kreativer gehalten wurden. Plakativ ausgedrückt führte die Reizserienbeurteilung zu der Aussage „Wer geschminkt ist, ist auch gut“. Ein ähnliches Schlagwort spielt in der Attraktivitätsforschung als „Attraktivitätsstereotyp“ eine herausragende Rolle: „Wer schön ist, ist auch gut“ (Dion, Berscheid und Walster, 1972; Henss, 1992, 1998).

Die beiden methodischen Ansätze – Einzelreizbeurteilung und Reizserienbeurteilung – lieferten ein partiell unterschiedliches Bild. Dass die Befunde entscheidend von der Untersuchungsmethode abhängen können, ist aus der Gesichterforschung wohlbekannt (Henss, 1998). Gleichwohl wurde dieser wichtige Aspekt in der bisherigen Forschung zur Eindruckswirkung des Schminkens kaum berücksichtigt.

Insgesamt macht die Arbeit deutlich, dass die Hautbeschaffenheit einen bedeutsamen Einfluss auf die Eindruckswirkung von Gesichtern haben kann. Dies ist nicht zuletzt deshalb von großem Interesse, weil die Hautbeschaffenheit im Rahmen der Attraktivitätsforschung über lange Zeit hinweg eher vernachlässigt wurde. Dort standen bislang eher
gemometrisch-morphologische Strukturmerkmale im Fordergrund (Durchschnittlichkeit, Symmetrie, Proportionen, Längenmaße, Winkel …).


Fußnoten

  1. Als Stimulus (Plural: Stimuli) werden in der psychologischen Fachterminologie ganz allgemein die Reize bezeichnet, auf die die Versuchspersonen reagieren sollen. Die zu beurteilenden Personen werden dementsprechend als „Stimuluspersonen“ bezeichnet.
  2. Ein Komposit-Gesicht repräsentiert den mathematischen Durchschnitt über die zugrunde liegenden Gesichter. Die Konstruktion auf fotomechanischem Wege geht im Wesentlichen auf Galton (1878) zurück. Seit es möglich ist, Komposits mit Hilfe von Computerprogrammen zu konstruieren, wurden diese in der Attraktivitätsforschung intensiv untersucht. Das Durchschnittsgesicht ist in aller Regel attraktiver als die meisten Einzelgesichter. Es stellt jedoch keineswegs das „Maximum“ an Attraktivität dar und die Attraktivität des Komposits hängt ganz entscheidend von den Ausgangsgesichtern ab – wie der Vergleich von KS und KM eindrucksvoll demonstriert.
  3. Die genannten Proportionen gelten strenggenommen nur für die konkrete Stimulusperson, die hier stellvertretend abgebildet ist. Für jede Stimulusperson wurde im Rahmen eines Vorversuchs ein „optimales Mischungsverhältnis“ bestimmt.
  4. (Die Notation X <* Y soll lediglich symbolisieren, dass Y einen höheren Wert aufweist als X. Die Differenz muss jedoch nicht signifikant sein. Lediglich bei "Selbstbewusstsein" fiel der Effekt der Bildmanipulation etwas schwächer aus.

Literatur

  • Dion, K. K., Berscheid, E. & Walster, E. (1972). What is beautiful is good? Journal of Personality and Social Psychology, 24, 285-290.
  • Galton, F. (1878). Composite portraits. Journal of the Anthropological Institute of Great Britain & Ireland, 8, 132-142.
  • Henss, R. (1992). „Spieglein, Spieglein an der Wand…“ Geschlecht, Alter und physische Attraktivität. Weinheim: Psychologie Verlags Union.
  • Henss, R. (1998). Gesicht und Persönlichkeitseindruck. Göttingen: Hogrefe.
  • Knabe, T. (2002). Face Toolkit. Unveröffentlichte Forschungspraktikums-Arbeit an der Fachrichtung Informatik der Universität des Saarlandes, Saarbrücken.
  • Mönch, D. (2003). Color me beautiful. Hautbeschaffenheit und Persönlichkeitseindruck. Unveröffentlichte Diplomarbeit. Fachrichtung Psychologie. Universität des Saarlandes, Saarbrücken.
Alle Rechte beim Autor. Nachdruck und Vervielfältigung – auch auszugsweise – nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors.

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Attraktivität – Attraktivitätsforschung – Haare – Haarfarbe – Psychologie – Haarpsychologie – Haarfarbenpsychologie – blond, braun, schwarz, rot – Experiment – psychologische Forschung

Haarfarbe und Attraktivität
Eine experimentelle Untersuchung
© PD Dr. Ronald Henss


Vorbemerkung: Zum Thema „Psychologische Aspekte der Haarfarbe“ wurden an der Fachrichtung Psychologie der Universität des Saarlandes zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. In verschiedenen Beiträgen werden jeweils Methoden und wichtige Befunde berichtet. Der theoretische Hintergrund wird in einem gesonderten Beitrag dargestellt (in Vorbereitung).

Methoden und Ergebnisse einer experimentellen Untersuchung zur Attraktivität von Haarfarben bei Männern und Frauen.


Kurzcharakteristik

In der Untersuchung, die über das Internet durchgeführt wurde, beurteilten Versuchspersonen die Attraktivität von Männern und Frauen. Die zu beurteilenden Fotos waren so ausgewählt, dass jeweils die Haarfarben blond, braun, schwarz und rot repräsentiert waren. Eine Besonderheit der Untersuchung besteht darin, dass ein Teil der Versuchspersonen „normale“ Portraitfotos beurteilte, auf denen Gesicht und Haar zu sehen war, während der andere Teil Fotos beurteilte, bei denen das Haar wegretuschiert war.


Methoden

Das Ausgangsmaterial bestand aus 48 Männer- und 48 Frauenfotos. Jeweils 12 Männer und 12 Frauen hatten blondes, braunes, schwarzes bzw. rotes Haar. Zu jedem Foto wurde eine Kopie erstellt, bei der das Haar wegretuschiert wurde.
Die Fotos wurden in 3 Sets aufgeteilt, die jeweils 4 blonde Männer, 4 braunhaarige Männer, 4 schwarzhaarige Männer, 4 rothaarige Männer, 4 blonde Frauen, 4 braunhaarige Frauen, 4 schwarzhaarige Frauen und 4 rothaarige Frauen umfassten.
Jede Versuchsperson beurteilte ein Set. Die Auswahl des Sets erfolgte durch einen Zufallsgenerator. Darüber hinaus wurde per Zufallsgenerator bestimmt, ob die Version mit sichtbaren oder nicht-sichtbaren Haaren dargeboten wurde und ob zuerst Männer- und dann Frauenfotos zu beurteilen waren oder umgekehrt.

Die Beurteilungen erfolgten auf einer 9-stufigen Ratingskala von 1= sehr unattraktiv bis 9 = sehr attraktiv.

Die Versuchspersonenstichprobe umfasste insgesamt 1274 Teilnehmer (31% Männer und 69% Frauen). Das Experiment wurde in einer deutschsprachigen und in einer englischsprachigen Version durchgeführt (35% vs. 65%).


Ergebnisse

Insgesamt zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Haarfarben und wie erwartet fallen die Effekte der Haarfarbe bei Männern anders aus als bei Frauen.

Männer
Braun: 5,59 [5,51 – 5,67]
Schwarz: 5,35 [5,27 – 5,43]
Blond: 5,25 [5,17 – 5,33]
Rot: 4,32 [4,21 – 4,40]

Frauen
Blond: 5,76 [5,68 – 5,84]
Braun: 5,54 [5,46 – 5,62]
Schwarz: 4,97 [4,88 – 5,05]
Rot: 4,89 [4,81 – 4,96]

(arithmetisches Mittel; in Klammern: 95%-Konfidenzintervall des Mittelwerts)

Besonders aufschlussreich ist der Vergleich „Haar sichtbar“ vs. „Haar nicht sichtbar“.

Bei den braunhaarigen Männern machte es kaum einen Unterschied, ob die Haare sichtbar waren oder nicht (5,59 vs. 5,52).
Schwarzhaarige Männer waren attraktiver (5,44) wenn die Haare nicht sichtbar waren als bei sichtbarem Haar (5,20). Eine Interpretation, die noch weiterer Untersuchungen bedarf: Schwarzes Haar scheint bei Männern eher negativ zu sein, obgleich der dunklere Teint attraktiv macht.
Blonde Männer wurden bei sichtbarem Haar positiver beurteilt als bei nicht sichtbarem Haar (5,33 vs. 5.07). Spekulation: Es sind weniger die blonden Haare als der helle Teint, der blonde Männer weniger attraktiv macht.
Rothaarige Männer waren deutliche attraktiver, wenn die Haare nicht zu sehen waren (4,62 vs. 4,09). Interpretation und Spekulation: Rotes Haar ist bei Männern per se sehr unattraktiv, aber auch der helle Teint macht rothaarige Männer unattraktiv.

Blonde Frauen waren bei sichtbarem Haar deutlich attraktiver als bei nicht sichtbarem Haar (5,89 vs. 5,62).
Braunhaarige Frauen waren bei sichtbarem Haar deutlich attraktiver als bei nicht sichtbarem Haar (5,74 vs. 5,41).
Schwarzhaarige Frauen waren bei sichtbarem Haar weniger attraktiv als bei nicht sichtbarem Haar (4,89 vs. 5,18).
Rothaarige Frauen waren bei sichtbarem Haar weniger attraktiv als bei nicht sichtbarem Haar (4,84 vs. 5,04).

Es sei angemerkt, dass die englischsprachigen Versuchsteilnehmer positivere Beurteilungen abgaben als die deutschsprachigen und dass die männlichen Urteiler positivere Bewertungen abgaben als die weiblichen. Die geschilderten Effekte der Haarfarben und der Sichtbarkeit von Haaren wurden aber weder durch die Sprachversion noch durch das Geschlecht der Urteiler beeinflusst.
Wichtig ist aber Folgendes: Die dargestellten Effekte der Haarfarbe und der Sichtbarkeit des Haares beruhen jeweils auf der Gesamtstichprobe aller betreffenden Fotos. Bei Aufschlüsselung nach den einzelnen Bildersets ergeben sich zum Teil abweichende Befunde. Dies macht deutlich: Effekte der Haarfarbe hängen – wie nicht anders zu erwarten – auch wesentlich von der konkreten Gesichterstichprobe ab. Dieses zentrale Ergebnis der Gesichterforschung (vgl. Henss, 1998) wird leider allzu oft ignoriert.

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Die Untersuchung wurde 1999/2000 im Rahmen eines Experimentalpsychologischen Praktikums durchgeführt.

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Attraktivität und Sympathiewerte von Prominenten
© PD Dr. Ronald Henss



In Folgenden finden sich Ergebnisse aus einer (unveröffentlichten) Studie zur Attraktivität und Sympathie von Prominenten. Die Untersuchung wurde 1995 am Psychologischen Institut der Universität des Saarlandes durchgeführt. Sie liegt also schon länger zurück. Die meisten Prominenten von damals sind auch heute noch bekannt, manche sind heute mehr oder weniger vergessen und einige in der Zwischenzeit verstorben, einige waren damals bereits tot.

Versuchspersonen waren 115 Männer und 131 Frauen (Alter: 17-66 Jahre; Median: 24 Jahre). Den Teilnehmern wurde eine Liste mit 34 prominenten Männern und 30 prominenten Frauen vorgelegt. Die Aufgabe bestand darin, jede Person hinsichtlich ihrer Attraktivität und der Sympathie zu beurteilen. Die Beurteilungen erfolgten auf einer Skala von 0 bis 5. (Es ist anzumerken, dass die Beurteilen nicht durch ein Bild, sondern ausschließlich durch ihren Namen repräsentiert waren.)


1. Rangreihe der Attraktivitäts- und Sympathiewerte

Nach Mittelung über alle Versuchspersonen ergaben sich die folgenden Rangordnungen (es werden jeweils nur ausschnittsweise die ersten und die letzten sieben aufgelistet; angegeben ist der Mittelwert):


Attraktivität von Männern

Kevin Costner: 3.71
Robert Redford: 3.68
Sean Connery: 3.59
Heiner Lauterbach: 3.15
Ulrich Wickert: 3.06
Götz George: 3.02
Richard von Weizsäcker: 2.88


Roman Herzog: 1.18
Klaus Kinski: 1.16
Boris Jelzin: 1.09
Otto: 1.02
Berti Vogts: 0.83
Prinz Charles: 0.80
Helmut Kohl: 0.70
Karl Dall: 0.37



Attraktivität von Frauen

Catherine Deneuve: 4.03
Romy Schneider: 3.97
Kim Basinger: 3.93
Julia Roberts: 3.92
Marilyn Monroe: 3.85
Jodie Foster: 3.72
Claudia Schiffer: 3.68


Carolin Reiber: 1.97
Rita Süssmuth: 1.46
Martina Navratilova: 1.34
Regine Hildebrandt: 1.15
Alice Schwarzer: 0.82
Hella von Sinnen: 0.68
Helga Feddersen: 0.58



Sympathiewerte von Männern

Richard von Weizsäcker: 4.04
Ulrich Wickert: 3.77
Guenther Jauch: 3.49
Sean Connery: 3.46
Hans-Dietrich Genscher: 3.34
Robert Redford: 3.32
Kevin Costner: 3.26


Helmut Kohl: 1.75
Lothar Matthäus: 1.73
Karl Dall: 1.72
Prinz Charles: 1.70
Klaus Kinkel: 1.65
Berti Vogts: 1.52
Klaus Kinski: 1.45



Sympathiewerte von Frauen

Romy Schneider: 3.58
Jodie Foster: 3.50
Catherine Deneuve: 3.32
Sabine Christiansen: 3.24
Dagmar Berghoff: 3.09
Julia Roberts: 3.05
Eva Herrman: 3.01


Martina Navratilova: 2.39
Claudia Schiffer: 2.13
Linda de Mol: 2.11
Alice Schwarzer: 2.06
Carolin Reiber: 1.78
Hella von Sinnen: 1.77
Madonna: 1.69


2. Urteilerübereinstimmung: Gruppenstandards von männlichen und weiblichen Urteilern

Haben Männer und Frauen – als Gruppe betrachtet – ähnliche Attraktivitäts- und Sympathiestandards?
Zur Beantwortung dieser Frage(n) wurden zunächst die Mittelwerte über alle männlichen und die Mittelwerte über alle weiblichen Urteiler berechnet. Die Korrelation zischen den Gruppenstandards ergab:

Attraktivität männlicher Prominenter: 0,98
Attraktivität weiblicher Prominenter: 0,97
Sympathie männlicher Prominenter: 0,96
Sympathie weiblicher Prominenter: 0.67

Männliche und weibliche Urteiler stimmen demnach – als Gruppe betrachtet – nahezu perfekt in ihren Attraktivitätsurteilen überein. Gleiches gilt für Sympathie gegenüber männlichen Prominenten. Bei der Sympathie gegen über weiblichen Prominenten findet sich zwar immer noch eine klare Übereinstimmung, diese ist aber nicht mehr perfekt. Die Ursache dafür im folgenden Abschnitt unmittelbar ersichtlich.


3. Attraktivitätsstereotyp: Wer schön ist, ist auch sympathisch (?)

In welchem Umfang trifft das allgemein bekannte Attraktivitätsstereotyp „Wer schön ist, ist auch gut?“ bei der Beurteilung von Prominenten zu? Zur Beantwortung dieser Frage wurden die Korrelationen zwischen den mittleren Attraktivitätsratings und den mittleren Sympathieratings berechnet. Dabei ergaben sich folgende Werte

Männer beurteilen Männer: 0,67
Männer beurteilen Frauen: 0,70
Frauen beurteilen Männer: 0,75
Frauen beurteilen Frauen: 0,44

Es zeigt sich also eine klare Tendenz, dass attraktivere Personen auch sympathischer sind. Bemerkenswert sind insbesondere die Beurteilungen von Frauen durch Frauen. Hier ist diese Tendenz zwar immer noch vorhanden, aber doch deutlich abgeschwächt. Das rührt im Wesentlichen daher, dass einige Frauen besonders attraktive prominente Frauen besonders unsympathisch finden bzw. dass sie einige unattraktive Geschlechtsgenossinnen besonders sympathisch finden.


3. Konkordanz: Interindividuelle Urteilerübereinstimmung

Die vorangegangenen Betrachtungen beruhen jeweils auf Gruppenstandards, also gemittelten Werten. Bei der Konkordanz geht es hingegen um die Frage, in welchem Umfange individuelle Urteiler (im Durchschnitt) übereinstimmen.
Hierzu ergaben sich folgende mittlere Inter-Rater-Korrelationen:

Männer beurteilen Männer: 0,41
Männer beurteilen Frauen: 0.46
Frauen beurteilen Männer: 0,45
Frauen beurteilen Frauen: 0,45

Diese Werte stimmen hervorragend mit den Befunden der Attraktivitätsforschung überein. Da es sich hier um die durchschnittliche Übereinstimmung zwischen individuellen Urteilern handelt, sprechen diese Konkordanzwerte für eine bemerkenswert hohe Übereinstimmung (ausführlich dazu Henss, 1992, 1998).


Weiterführende Literatur

Henss, R. (1992). „Spieglein, Spieglein an der Wand …“ Geschlecht, Alter und physische Attraktivität. München: Psychologie Verlags Union.
Henss, R. (1998). Gesicht und Persönlichkeitseindruck. Göttingen: Hogrefe.

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