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Glatze = hohe Stirn = Intelligenz?

PD Dr. Ronald Henss

Seit alters her ist der Verlust des Haupthaares für Männer ein großes Ärgernis. Dahinter steckt zumeist die Sorge, dass eine Glatze von den Mitmenschen negativ beurteilt wird.

Die psychologische Forschung zeigt, dass diese Sorge nicht unbegründet ist. Mehrere Untersuchungen belegen, dass eine Glatze in vielerlei Hinsicht negativ auf den Betrachter wirkt. Die deutlichsten Effekte zeigen sich bei Altersschätzungen und Attraktivitätsbeurteilungen. Männer wirken mit Glatze wesentlich älter und sie sind weniger attraktiv. Aber auch im Hinblick auf andere Eigenschaften schneiden Glatzenträger häufig schlechter ab.

Eine gewisse Ausnahme zeigt sich bei Einschätzungen der Intelligenz. In den meisten Studien hatte die Haarfülle keinen Einfluss. Gelegentlich wurden Glatzenträger sogar für intelligenter gehalten als Männer mit vollem Haar.

An der Universität des Saarlandes wurden mehrere Untersuchungen zur Eindruckwirkung der Glatze durchgeführt. Auch diese Studien unterstreichen die negative Wirkung der Glatze. Im Bezug auf die Frage „Glatze = höhere Stirn = Intelligenz?“ sind die Befunde gemischt. Lediglich in einem Fall ergab sich ein Vorteil für die Glatze.

Fünfzehn Männer im Alter von 30 bis Mitte 60 wurden unter standardisierten Bedingungen fotografiert. Ein Foto zeigte die Person in ihrer natürlichen Erscheinung mit Glatze. Auf einem anderen Bild trug sie ein Toupet, das von einem Haarspezialisten individuell angefertigt worden war.

Die Untersuchung wurde über das Internet durchgeführt. Auf dem Bildschirm wurden Fotos der 15 Männer simultan präsentiert. Die Anordnung erfolgte in zufälliger Reihenfolge. In jedem Einzelfall wurde per Zufall bestimmt, ob eine Person mit Glatze oder mit Toupet zu sehen war. Die Versuchpersonen hatten die Aufgabe, die Bilder im Hinblick auf das Merkmal „Intelligenz“ in eine Rangreihe zu bringen.

Insgesamt erzielte die Bildversion mit Glatze einen besseren Rangplatz als die Variante mit Toupet. Eine detaillierte Analyse zeigte, dass sieben Männer mit Glatze signifikant intelligenter erschienen als mit Toupet. Bei den verbleibenden acht Personen zeigten sich keine Unterschiede zwischen den beiden Bildvarianten. Insbesondere ergab sich in keinem einzigen Fall ein statistisch signifikanter Vorteil für den vollen Haarschopf. Plakativ ausgedrückt heißt dies: Glatzköpfe wirken intelligenter.

Aus einer anderen Perspektive muss diese Aussage jedoch stark relativiert werden. Die vier Männer, die am intelligentesten erschienen, machten stets die ersten vier Rangplätze unter sich aus – egal ob sie ein Toupet oder eine Glatze trugen. Ebenso blieben die vier Personen, die am wenigsten intelligent erschienen, stets unter sich – unabhängig von Glatze oder Toupet.

Das heißt: Der Unterschied zwischen Glatze und Toupet kann durchaus zu statistisch signifikanten Effekten führen. Aber die Verschiebungen in den Rangplätzen sind minimal. In der Gruppe der fünfzehn Männer war sehr klar „festgelegt“, wer auf der Skala des Intelligenzeindrucks die oberen, wer die mittleren und wer die unteren Ränge einnimmt.

Offenkundig wird der Intelligenzeindruck nur zu einem sehr kleinen Teil durch die Haarfülle bestimmt. Andere Faktoren sind ungleich bedeutsamer. Dies steht im Einklang mit einem zentralen Befund der psychologischen Gesichterforschung: In aller Regel spielt die individuelle Gesamtkonfiguration des Gesichts eine wesentlich wichtigere Rolle als Einzelaspekte wie zum Beispiel die Haarfülle.

(Anmerkung: Die hier berichtete Untersuchung ist Bestandteil der Diplomarbeit von Stefanie Becker: Zur Eindruckswirkung des Haarausfalls beim Mann. Saarbrücken, 2003)

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in DERMAforum Zeitung für die Dermatologie, Nr. 5 – Mai 2006, S.13

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